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Interview und Reisebericht heute in der Badischen Zeitung

Heute ist mein Reisebericht über die Seal River Lodge in der Badischen Zeitung erschienen. Die Aufmacherseite auf der Freizeit-Seite ist ein echter Hingucker. Ich habe die Seite noch nicht im Print gesehen (werde mir aber gleich ein Exemplar am Kiosk besorgen), doch bereits auf dem ipad sah es grandios aus. In meinem Job als Journalistin und Fotografin ist das der schönste Moment: Meinen Text und Fotos auf der gedruckten Seite zu sehen. Zum Online-Artikel geht’s hier.

In der Lokalausgabe erschien ebenfalls heute ein Interview mit mir über meine Reise zu den Eisbären. Zum Online-Artikel des Interviews geht es hier.

Alle Berichte und Fotos, die ich auf diesem Blog über meine Expedition zu den Eisbären geschrieben habe, sind hier zu lesen:

Bericht 1 

Bericht 2 

Bericht 3 

Bericht 4 

Bericht 5 

Und außerdem die Berichte über den Polar Bear Marathon und weitere Einträge mit Fotos von Churchill. Viel Spaß beim Durchschauen und Lesen und Danke fürs Vorbeischauen auf meinem Blog.

 

Postkarte aus Churchill Nr. 1

Die Eisbären sind längst auf das Eis der Hudson Bay gezogen um endlich Robben zu jagen und ihre aufgebrauchten Reserven aufzustocken. Churchill ist in seinen alljährlichen Dornröschenschlaf gefallen. Das beliebte Gypsys Bakery Restaurant, sozusagen die gute Seele des Örtchens, hat geschlossen.

Ich bin wieder zurück in Deutschland und arbeite an meinen Reiseberichten über meine Zeit mit den Eisbären. So viele Fotos wie bei diesem Trip habe ich noch nie gemacht. Meine Festplatte ist voll und ich habe noch immer nicht alle Fotos bearbeitet und gesichtet. In den kommenden Tagen poste ich Postkarten mit neuen Eisbärenfotos und Impressionen aus Churchill. Apropos Postkarte: Das Postamt von Churchill hat einen schönen Stempel mit einem Eisbär drauf. Es ist ein beliebtes Souvenir und auch ich habe meinen Reisepass stempeln lassen. Zuvor wird man darauf hingewiesen, dass das Postamt von Churchill keine Verantwortung übernimmt, wenn damit der Pass ungültig wird. Nun, bisher habe ich noch keine Probleme damit gehabt, mein Pass ist voll mit kuriosen Erinnerungsstempeln von irgendwelchen Orten im hohen Norden (z.B. ein Huhn für den Ort Chicken Alaska).

Wer nach dem Besuch meines Blogs Lust bekommen hat, Churchill und die Eisbären einmal selber zu erleben, dem rate ich, baldmöglichst zu buchen, um einen der begehrten Plätze für die Eisbärensafaris im Herbst/Winter 2013 zu ergattern. Leider ist eine individuelle Buchung fast so gut wie unmöglich, da die großen Reiseveranstalter der Tundrabuggy Touren Frontiers North und Great White Bear Tours  bereits große Kontingente in den Hotels vorbuchen. Sehr gut gefallen hat es mir im Iceberg Inn bei Dick Hunter. Leider wird Dick das Hotel verkaufen, weil er sich endlich einmal um seine acht Enkelkinder kümmern möchte. Ich hoffe, dass der Nachfolger ein ebenso toller Gastgeber ist, wie es Dick für mich war.

Wer das Abenteuer seines Lebens erleben möchte ist bei Churchill Wild an der richtigen Adresse. Es gibt keinen Veranstalter mit mehr Erfahrung. Seit über 40 Jahren führt das Familienunternehmen Lodges in entlegenen Gegenden rund um Churchill. Mike und Jeanne Reimer sind die besten Gastgeber, die ich kenne. Jeanne stammt aus Churchill, ist ein Kind des hohen Nordens. Die Vorfahren ihrer Eltern kamen aus Island und waren eine der ersten, die sich in Churchill niederliessen und Handel mit den dort lebenden Inuit betrieben. Diese Familie lebt und atmet die Arktis.

Auf der Seal River Lodge bieten sie ihren Gästen das einmalige Erlebnis, den Eisbären zu Fuß ganz nahe zu kommen. Für Naturfreunde, Hobbyfotografen und Profifotografen bietet Seal River jeden Komfort und die besten Voraussetzungen, unglaubliche Eisbärenfotos aufzunehmen. Die Fotografen Dennis Fast , Robert Postma und Charles Glatzer waren diesen Winter auf der Seal River Lodge und haben erstaunliche Fotos aufgenommen.

Auf der Website von Churchill Wild und ihrem Blog finden sich jede Menge Features, Fotos, Videos und Geschichten.

Wer sich über Manitoba erkundigen möchte, dem empfehle ich die Website von TravelManitoba, die es auch auf Deutsch gibt.

Gerne beantworte ich auch Fragen zu Churchill und meinen Erfahrungen. Einfach einen Kommentar hinterlassen. Das war’s für heute. Morgen folgt eine weitere Postkarte aus Churchill. Also gerne wieder vorbeikommen.

Das Licht der Arktis

Unser letzter Morgen auf der Seal River Lodge begann mit einem Sonnenaufgang wie nicht von dieser Welt. Die Hudson Bay war wolkenfrei, doch der Sturm hatte seine Kraft nicht verloren. Er fegte eisig über die Tundra, fegte den Schnee übers Eis und durch die Luft. Das Licht, das durch den aufgewirbelten Schnee reflektiert wurde, war unglaublich. Wenn man dieses Licht erlebt, vergisst man, dass der Wind die Temperatur auf minus 35 Grad treibt.

Wenn dann ein Eisbär auftaucht und von diesem wunderbaren Licht erleuchtet wird, dann ist das Glück perfekt! Was für ein Abenteuer. Da ist man den Elementen ausgesetzt und steht einem Eisbär gegenüber, der sich keine 15 Meter von einem entfernt befindet! Ohne Auto, ohne Zaun. Der Wind peitscht ins Gesicht, so dass ich mich manchmal fast nicht aufrecht halten konnte. Und was habe ich gebetet, dass meine Kameras durchhalten!

Dieses Licht wirkt so sanft und weich und wenn ich mir die Bilder ansehe, kann ich kaum glauben, dass es so eisig kalt war und der Sturm mich fast umgeblasen hat.

Und wer nicht in die Kälte wollte, bekam die Eisbären-Action von der Lodge aus mit.

Ich setzte mich lieber mit den Elementen auseinander um Bilder wie dieses zu bekommen.

Die folgenden Fotos zeigen, wie wir uns den Eisbären gegenüber verhalten haben. Der Bär nähert sich der Gruppe Fotografen.

Kommt der Eisbär näher, gibt man ihm den nötigen Raum und verlässt seine Zone. Wann das soweit ist, wird vom Guide angezeigt. Ganz wichtig: Wir bewegen uns langsam und keinesfalls hektisch oder schnell.

Der Eisbär hat seinen nötigen Raum erhalten – er fühlt sich nicht bedroht oder eingeengt. Und was macht er? Er hockt sich hin und guckt den Fotografen zu. Was aber, wenn der Bär nicht sitzen bleibt oder weitergeht, sondern auf uns zukommt? Diese Situation habe ich einige Male erlebt. In dem Fall rufen die Guides dem Bären laut zu. Reicht das nicht aus, wird etwas Krach gemacht, z.B. Steine aufeinander geschlagen. Das reichte aus und der Bär entfernte sich. Das klingt alles ziemlich verrückt und mancher Leser wird denken, dass das lebensgefährlich und leichtsinnig ist. Ich habe mich während der Zeit außerhalb der Lodge nie gefährdet gefühlt, auch dann nicht, als der Bär sehr nahe an uns vorbeigegangen ist. Ich vertraue den Guides von Churchill Wild, die seit über 40 Jahren Wildnistouren anbieten und zu den erfahrensten Veranstaltern im Norden zählen. Dank ihrer Erfahrung sind solche Exkursionen erst möglich. Fotografen aus aller Welt kommen zur Seal River Lodge um solche Fotos zu erhalten.

Und wie aus dem Nichts kam der kleine Fuchs, den ich einen Tag zuvor im Sturm zusammen mit dem Eisbären fotografierte.

Dann tauchte plötzlich ein zweiter Bär auf.

Wir waren natürlich alle gespannt, wie diese Begegnung verlaufen würde. Und natürlich hofften wir auf ein Geraufe der beiden Bären. Doch die checkten sich gegenseitig aus sicherer Entfernung aus.

Und beschlossen, sich in Ruhe zu lassen.

Dem Sturm sei Dank – haben wir all dies noch erleben dürfen. Denn aufgrund des Wetters konnte unser Flugzeug nicht kommen. Wir erhielten sozusagen einen Schlechtwetterbonus von einem halben Tag. Erst am späten Nachmittag konnte die neue Gruppe zur Seal River Lodge geflogen werden – und wir zurück nach Churchill. Und zwar mit Helikoptern, die direkt vor der Lodge landeten.

Rückblickend, jetzt in meinem Hotelzimmer im Iceberg Inn in Churchill kann ich nur staunen über das, was ich auf der Seal River Lodge erlebt habe. Es waren die spannendsten und unglaublichsten Tage meines Lebens als Fotografin. Und – das Fotografieren von Eisbären macht süchtig!

Gestern saß ich im Gypsys Bakery (The place to be in Churchill) und las in einem Buch von Norbert Rosing. Er beschreibt, wie er 1983 das erste Mal nach Churchill kam um Polarlichter zu fotografieren. Sein Film gefror und die Kamera quittierte den Dienst. Frustriert flog er mit dem nächsten Flieger wieder nach Hause. Fünf Jahre später kehrte er erneut nach Churchill zurück. Rosing war einer der ersten, der begann, Eisbären zu fotografieren. Unzählige Stunden hat er zugebracht mit Warten, zwischen absoluter Frustration und unglaublichen Glücksmomenten. Er schreibt in seinem Buch: „To capture a moment in the wild takes 1/250 of a second, to find the right place at the right time in the right light and with the right equipment can take weeks, even years in the case of some shots.“ 

Ich bin unendlich dankbar für die Zeit auf der Seal River Lodge. Ich erlebte Augenblicke des Frustes, als meine Kameras streikten und ich den Tränen nahe war vor lauter Verzweiflung. Doch ich erlebte auch diese Momente des Glücks, des Lichts und des Augenblicks, in denen alles zusammenkommt, diesen einen Moment , in den man auf den Auslöser drückt und einfach weiß, dass man etwas wunderbares festgehalten hat.