TV-Tipp: Schwarzwald-Krimi Und tot bist du!

„Alles, was schwarz ist, war den Menschen schon immer unheimlich“, sagt der Theologieprofessor Hans Katrein. Dass damit nicht nur die düsteren Mythen und dunklen Tannen des Schwarzwalds gemeint sind, dämmert dem Zuschauer allmählich, wenn die Geschichte Schicht für Schicht freigelegt wird und dunkle Geheimnisse der Vergangenheit offenbart.

Dabei setzt der ZDF-Krimi den nördlichen Schwarzwald rund um Baiersbronn und Freudenstadt in einer eindrucksvollen, dramatischen Weise in Szene, wie man es im deutschen Fernsehen bislang noch nicht gesehen hat. Nicht nur deshalb muss man heute Abend unbedingt den ersten Teil des Zweiteilers gucken!

Ein Omnibus – retro – aus den 60er-Jahren rollt auf einer Straße inmitten eines sonnigen Tannenwaldes. Vermutlich Touristen auf einer Kaffeefahrt ins Grüne; doch die nächsten Szenen zeigen eine junge Frau, die barfuß im Bus sitzt, eine Träne rollt ihr über die Wange. Die Fahrt geht an einem rauchenden Kohlenmeiler vorbei, die nächste Einblendung zeigt einen steinernen Wegweiser: Elfentalsee. Kurz darauf hastet die junge Frau durch den Wald. Vor wem oder was flüchtet sie?

So beginnt der zweiteilige Schwarzwaldkrimi „Und tot bist Du!“, den das ZDF am heutigen Montagabend, 8. April 2019 um 20.15 Uhr ausstrahlt und der auch in der ZDF-Mediathek abrufbar ist.

Kurz darauf wird die junge Frau von zwei Wanderern gefunden. Sie liegt tot im See. Es ist die Enkelin des Altbürgermeisters Hermann Natterer von Klosterbach. Die Szene wechselt. Eine Frau, sportlich, energisch, ausgerüstet mit Helm, Stirnlampe, Kletteranzug zwängt sich durch eine enge Höhle. Dann fällt von irgendwo ein Schuss. Dann noch einer. Und noch einer.

Konrad Diener (Max von Thun) und Maris Bächle (Jessica Schwarz) versuchen, den Mordfall zu lösen. Foto: ZDF/Maor Waisburd

Der Filmauftakt mag vom Spannungsbogen her schnöde sein. Schüsse, die von irgendwo her fallen, lassen ahnen, dass es nicht mehr lange geht, bis die ersten Leichen auftauchen. Doch es sind die Bilder, die einen von der ersten Minute an fasziniert auf den Bildschirm blicken lassen. Die Kamera bewegt sich mit einer Eindringlichkeit durch den Wald, als wäre man mittendrin in dieser zauberhaften Landschaft. Es sind diese Bilder, die den Zuschauer förmlich in die Geschichte ziehen. Der dunkle, mystische Schwarzwald dient dabei als Metapher für die inneren Abgründe – in der Geschichte des Ortes und dessen Einwohner.

V.l.n.r.: Der junge Hermann Natterer (Patrick Mölleken), Robert Cabell (Julian Schmieder) und Gerd Sieber (Fabian Halbig) beobachten die französischen Soldaten. Foto: ZDF/Maor Waisburd

Die Geschichte entpuppt sich als äußerst vielschichtig und spielt auf zwei Zeitebenen: in der Gegenwart zum einen und zum anderen in den Nachkriegsjahren, als der Schwarzwald unter französischer Besatzungsmacht stand.

Die Geschichte – Inhaltsangabe ZDF

Eine junge Frau, die Enkelin des Bürgermeisters Hermann Natterer von Klosterbach im Schwarzwald, wird tot in einem See entdeckt. Alten Legenden zufolge gibt es in dem See Geister, die einen in die Tiefe ziehen. Obwohl alles auf Suizid hindeutet, zweifeln Maris Bächle und ihr neuer Kollege Konrad Diener von der Kripo Freudenstadt an dieser Theorie.

Wenig später stürzt eine weitere junge Frau mit ihrem Rad einen Abhang hinunter in die Tiefe. Die Ermittler stellen einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen fest: Die beiden Frauen kannten sich, und beide trafen sich heimlich mit einem Unbekannten.

Hans Katrein (Rüdiger Vogler) hat ein dunkles Geheimnis. Foto: ZDF/Maor Waisburd

Die Spur führt zu Hans Katrein, einem emeritierten Professor für Theologie, der nach Jahren im Ausland in seinen Heimatort im Schwarzwald zurückgekehrt ist. Mit ihm und seinen Zeichnungen aus Kindertagen über die Zeit der Besatzung wenige Wochen nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird die Vergangenheit wieder lebendig.

Die Rollen

Stark besetzt ist das Freudenstädter Kripo-Team mit Maris Bächle (gespielt von Jessica Schwarz) und Konrad Diener (gespielt von Max von Thun). Die eigenbrötlerische Bächle, die sich in ihrer Freizeit in Höhlen herumtreibt und von Albträumen ihrer eigenen Vergangenheit geplagt wird, und Diener, der mit seiner Familie aus Hamburg hergezogen ist und dessen Frau in der Bäckerei nach Brötle statt Weggle verlangt und sich wundert, weshalb sie eine Tüte Kekse bekommt. Als er wissen will, was es denn mit diesen Bollenhüten auf sich hat, und ob sie auch einen habe, antwortet seine Kollegin kurz angebunden: „Da müsste man sich ja zugehörig fühlen.“

Die Nebenfiguren – Gerichtsmediziner und Kripo-Assistentin – sorgen für frischen Wind im Team der beiden Hauptkommissare, die sich und ihre neuen Aufgaben als neu eingesetzte Doppelspitze der Kripo Freudenstadt erst noch finden müssen. Ständig tauchen neue Figuren auf, es geschehen weitere Morde und unerklärliche Unfälle, die Schwarzweiß-Einblendungen offenbaren eine düstere Vergangenheit. Der Zuschauer ist gefordert, er muss dranbleiben, sich Details, Namen und Ereignisse merken, um der Geschichte zu folgen. Was nervt, ist die ständige, auf Dramatik abzielende Filmmusik und die vielen Detailaufnahmen, wenn mit kratzendem Kohlestift Zeichnungen auf Papier skizziert werden.

Touristische Werbung für Baiersbronn

Vor allem die Nordschwarzwälder, allen voran die Baiersbronner, werden ihre Freude an diesem Film haben, denn selten wurde ihre Gegend in einem Film so mystisch, schaurig und wunderschön in Szene gesetzt. Stellenweise findet sich der Zuschauer direkt in die Seiten des Werbeprospekts der Baiersbronn Touristik versetzt: Die Fotoaufnahmen auf Webseite und Prospekt sind in genau den selben milchig-kontrastarmen Farben gehalten, die heute als Bildsprache so modern geworden ist.

In den ersten drei Filmminuten schwebt die Kamera über nebelverhangenen Tannenwipfeln und fliegt über den Ellbachsee (der im Film Elfentalsee heißt), dass einem das Herz aufgeht. Weiter ist der sagenhafte Pudelstein zu sehen und die grünen Wälder, die den See umgeben, wirken wie eine zauberhafte Märchenlandschaft. Die Holzplattform des Ellbachseeblicks und der Sankenbachwasserfall werden atemberaubend eingefangen – was für eine bildgewaltige Werbung für den örtlichen Tourismus! Vermutlich sind demnächst Führungen zu den original Schauplätzen des Films auf den Seiten der Baiersbronn Touristik im Angebot.

Einheimische und Ortskundige erkennen die 45 Drehorte wieder, an denen sich die Handlungen abspielen. Es beeindruckt, mit welcher Sorgfalt das Szenenbild ausgestattet ist. Im Zimmer des Bürgermeisters hängen die ikonenhaften Bilder von Sebastian Wehrle und obwohl die Zeitung im Film anders heißt, weiß jeder, dass hier zum Schwarzwälder Boten gegriffen wird. Der Ort Klosterbach (heißt tatsächlich Klosterreichenbach) und auch bei der erwähnten Bierbrauerei weiß man, welche gemeint ist, und natürlich macht es Freude, sich selbst oder Bekannte im Film zu sehen, die als Komparsen mitwirkten.

Sagen und Legenden

Das immerwährende Thema des Films sind die Sagen, die sich um den mystischen Elfentalsee ranken. Ständig gibt es Andeutungen und Bemerkungen. Der See wird als Auge des Teufels bezeichnet, er tritt über die Ufer, weil selbst der Teufel über die Schicksale der Frauen weinen muss, mal sind es die Klagelieder von Jungfrauen, die nachts über dem See erschallen. Natürlich darf das „Kalte Herz“ nicht fehlen. Und mittendrin taucht dann auch noch die Geschichte vom Hirschsprung auf, der sich im Höllental befindet, was im südlichen Schwarzwald liegt. All das wirkt aufgesetzt, etwas weniger davon hätte dem Film keinen Abbruch getan. Und auch ein Buch ist zu sehen, „Mythen des Schwarzwalds“ heißt es, leider kann man es im Buchhandel nicht bestellen, denn es ist ein fiktives Werk.

Wer gerne mehr über die sagenhaften Geschichten der Moorseen im nördlichen Schwarzwald erfahren möchte, und wie es sich tatsächlich mit den Sagen verhält, dem kann ich mein Buch “Kraftorte im nördlichen Schwarzwald” empfehlen. Dort sind die Orte, die im Film auftauchen, ausführlich mit ihren Sagen beschrieben: Der Pudelstein, die Sankenbachwasserfälle, Ellbachsee, Wilder See, der Kohlenmeiler, Hutzenbacher See und viele weitere.

Meine Empfehlung: Heute Abend um 20:15 Uhr unbedingt den Fernseher einschalten. Der zweite Teil wird am Mittwoch ausgestrahlt. Wer keine Zeit hat, kann die beiden Folgen in der ZDF-Mediathek ansehen.

Foto Beitragsbild: ZDF/Maor Waisburd

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