Kraftorte im Schwarzwald: Der Totenbühl

Auf meinen Wanderungen im Schwarzwald stoße ich mal mehr mal weniger bewusst auf ganz besondere Orte. Es sind Orte, an denen sich seit Jahrhunderten, oft seit Jahrtausenden Wege gekreuzt haben, zu denen Menschen gepilgert sind, um anzubeten oder Tote zu bestatten. Es sind Orte, von denen besondere Kräfte und Energien ausgehen. 

Am Ostersonntag sind wir während einer Wanderung auf dem Hotzenwald-Höhenweg auf einen solchen Kraftort gestoßen. Es ist der Totenbühl bei Niedergebisbach (Rickenbach). Wir waren von dem Frieden und der Stille, der Schönheit und der deutlich spürbaren Kraft dieses Ortes ergriffen.
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Wir starteten mit unserer Osterwanderung am Wanderparkplatz Strick und wanderten auf dem Hotzenwald-Höhenweg vorbei am Pumpspeicherbecken Hornbergbecken zur Ödland-Kapelle. Die Kapelle wurde 1780 von den Hotzenwälder Bauern errichtet, die damit ein Versprechen einlösten, da sie von der Rinderpest verschont blieben. Weiter spazierten wir durch Niedergebisbach und gelangten außerhalb des Dorfes an den Kreuzweg aus Granitstelen, gestaltet vom Bildhauer Leonhard Eder, der hinauf zum Totenbühl, der auf 900 Metern liegt, führt. Oben angekommen, waren wir von der geheimnisvollen Kraft des Ortes zutiefst ergriffen. Vielleicht war sie auch deshalb so spürbar, weil es Ostern war? Auf dieser Anhöhe befand sich in der Römerzeit ein kleines Kastell. Vermutlich wurde der Platz davor bereits für heidnische Feste genutzt.
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Der Totenbühl war ein Begräbnisort, auf dem die Verstorbenen von Niedergebisbach ihre letzte Ruhestätte fanden. Bis zum Jahr 1897 wurden sie über den Totenbühl nach Rickenbach zum Friedhof über den Bühl gebracht, daher stammt der Name Totenbühl.

Der Schriftsteller Victor von Scheffel, der von 1826 bis 1886 lebte, schreibt über den Totenbühl, dass es sich um einen “Ort der Geister und Treffpunkt von Gesindel, Diebesbanden und allerlei undurchsichtigem Volk” handelt.” 

1994 wurde hier eine kleine Kapelle errichtet. In ihr finden grade mal zwei Personen Platz. Unterhalb des Altars mit dem Marienbild steht eine Kerze und ein Gebet. Wer mag, kann die Kerze entzünden und das Gebet nachsprechen.

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Nach dem 30-Jährigen Krieg wurden auf dem Totenbühl drei Buchen gepflanzt. Eine der drei Buchen musste vor einigen Jahren gefällt werden. Als ich unter diesen riesigen, knorrigen Bäumen stand, wurde mir bewusst, wie kurz doch unsere Zeit auf Erden ist. Diese Bäume existierten bereits, als es noch keine Autos, Flugzeuge, kein Internet gab. Was sich unter ihren Ästen wohl alles zugetragen hat?

An diesem Sonntag genossen wir in ihrem Schatten die Stille und den Ausblick. Der Totenbühl ist ein wundersamer Ort der Kraft, der Stille und der Einkehr.

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