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Polar Bear Marathon im Magazin der Badischen Zeitung

Polar-Bear-BZ-MagazinAm Samstag ist meine Reportage über den Polar Bear Marathon in Churchill, Manitoba, Kanada im Magazin der Badischen Zeitung erschienen. Die Geschichte kann online auf dem Portal der Badischen Zeitung gelesen werden. Leider kommen die Fotos nicht so eindrücklich wie in der gedruckten Ausgabe zur Geltung. Außerdem berichtete die Globe and Mail über den Marathon. Zum Artikel in der kanadischen Globe and Mail geht es hier.

 

Eisbär verletzt zwei Menschen in Churchill

Die Einwohner der Siedlung Churchill an der Hudson Bay leben mitten im Eisbärengebiet. Anfang November, wenn das Eis der Bay zufriert, kommen Hunderte von Eisbären zur Hudson Bay um sich auf’s Eis zu begeben. Nicht selten tappt dabei ein Eisbär durch die Straßen. Churchill lebt mit den Eisbären. Jedes Kind kennt die Telefonnummer des Eisbärennotrufes auswendig. Türen bleiben unverschlossen, in den Autos stecken die Zündschlüssel. Falls plötzlich der Eisbär kommt. Eisbär verletzt zwei Menschen in Churchill weiterlesen

Polar Bear Marathon 2012 Slideshow

Der erste Polar Bear Marathon in Churchill ist Geschichte. Was bleibt, ist die Geschichte. Eine großartige Story, die mit einer Vision angefangen hat.

Alles Wichtige im Leben entsteht durch Begegnung. Das ist eines meiner Zitate, die der Fotograf Rolf Frei im Bildband inslandgeschaut verwendete, an dem  ich mitarbeiten durfte. Meine erste Begegnung mit dem Fotografen Rolf Frei hatte ich im Alter von vier Jahren. Ich erinnere mich noch vage daran, wie er  mich zusammen mit meinem Vater und meiner Schwester in seinem Studio fotografierte. Ich durfte auf einem gelben Dreirad, das aussah wie ein Motorrad, durchs Studio flitzen. Nach meinem Fotografiestudium 1994 auf Hawaii klopfte ich bei meiner Praktikumssuche bei Rolf Frei an die Türe. Und im Mai 2007 begegneten wir uns auf dem Stübenwasen. Ich recherchierte für eine Geschichte über den Westweg, während Rolf Frei Kühe für seinen neusten Bildband fotografiert und es zu einer Zusammenarbeit am Bildband inslandgeschaut kam. An Zufälle glaube ich nicht. Aber daran, dass man im Leben Menschen begegnet, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. 

Churchill und der Polar Bear Marathon war ein sportliches Ereignis. Und es war doch so viel mehr als das.  Antarctic Mike  hat es in seinem Blog “Creating a chapter in people’s lives” wunderbar beschrieben. Was mit einer verrückten Idee begann, nahm unter dem kanadischen Ultramarathonläufer Albert Martens Gestalt an. Albert motivierte zwölf Läufer aus den USA, Kanada und Deutschland, die diese Idee zum Leben erweckten. Und wer weiß, vielleicht gibt es 2013 bereits eine Neuauflage des Polar Bear Marathon. Churchill, die Helfer und Eisbärenbewacher in den Fahrzeugen, der Bürgermeister waren jedenfalls begeistert.

 

 

 

 

Churchill Polar Bear Marathon

 

Am 20. November 2012 schrieben 12 Läufer aus Kanada, USA, Deutschland Geschichte. Sie kamen nach Churchill, einem kleinen Ort hoch im Norden Kanadas an der Hudson Bay, um den ersten Polar Bear Marathon zu laufen. Hier ist ihre Geschichte. 

Churchill ist bekannt als “Polar Bear Capital of the World” – als Eisbärenhauptstadt. Jedes Jahr zwischen Oktober und November kommen hunderte von Eisbären in die Nähe Churchills, um dort das Zufrieren der Bay abzuwarten. Denn kann können sie endlich aufs Eis und nach Robben jagen. Wenn sich die Eisbären in der Tundra um Churchill aufhalten, kommen Tausende von Touristen, um die Eisbären von “Tundra Buggies”, monströsen gepanzerten Bussen zu beobachten. Als die Läufer am 19. November eintreffen, ist die Eisbärensaison vorbei, die letzten Touristen reisen an diesem Tag nach Hause. Um halb acht macht sich die Gruppe auf den Weg vom Tundra Inn Hotel zu Gypsys Bakery, dem Start und Finish des Polar Bear Marathon.

Das Gruppenfoto kurz vor dem Start bei der Gypsys Bakery

Um 8.15 Uhr fällt der Startschuss – wie es sich für Churchill gehört – wird mit der Eisbärenpistole geschossen. Die Temperaturen sind auf milde minus 10 Grad angestiegen. Wenige Tage zuvor hatten wir Sturm und über minus 20 Grad, der Windchill-Faktor trieb die gefühlten Temperaturen auf minus 35 Grad!

Die Läufer starten in einen wunderschönen Churchill-Sonnenaufgang.

Dann beginnt der lange, einsame Weg auf der Rocket Launch Road entlang der Hudson Bay. Am Wegesrand stehen keine Zuschauer, die die Läufer anfeuern. Nirgends spielt Musik. Dafür erleben sie eine einzigartige Natur – und laufen mitten durch Eisbärengebiet. Und weil das sehr gefährlich ist, werden die Läufer von Begleitfahrzeugen eskortiert. Für die Churchiller gehört ein geladenes Gewehr genauso selbstverständlich ins Auto wie ein Verbandskasten.

Antarctic Mike (vorne) und Albert Martens, die beiden hatten die Idee, in Churchill einen Marathon zu laufen. Albert hat unendliche Stunden in die Organisation des Marathon gesteckt, am Abend vor dem Lauf war ihm die Erschöpfung deutlich anzusehen.

Die Spitzengruppe mit Eric, dem Mount Everest Bergsteiger, Gerry aus Steinbach und Arthur aus New Jersey

Eines der Begleitfahrzeuge, die während des gesamten Laufes in der Nähe der Läufer fuhren.

Trotz der recht milden Temperaturen von minus 13 Grad und lauem Südwind war der Lauf eine echte Herausforderung. Nicht auszudenken, wären die Temperaturen am 20.11.2011 wie sonst üblich bei minus 20, minus 25 Grad gelegen, dazu ein eiskalter Nordwind von der Hudson Bay.

Haben wir Eisbären gesehen? Nein. Aber wahrscheinlich haben die Eisbären uns gesehen. Unterwegs hielten einige Autos an, deren Fahrer  von Eisbären berichteten. Ein Bär wurde an der Hudson Bay gesichtet, einer beim Überqueren der Straße, zwei Bären wurden auf einem Grundstück in der Nähe der Straße gesehen und ein Einwohner, der außerhalb der Stadt lebt, berichtete mir über Facebook, dass er sogar einen Bären mit einem Schreckschuss vertreiben musste. Die Schüsse hat Gerry, der mit Eric und Arthur in der Spitzengruppe lief, gehört.

Diese drei hab ich unterwegs nur lachend erlebt. Unglaublich. Aber sie kommen ja auch aus Churchill und sind diese Temperaturen gewöhnt.

Albert freut sich über einen wohlverdienten Happen beim Kilometermarker 21

Da staunen die Touristen – statt Eisbären springen Läufer in der Tundra herum

Um 12.30 Uhr setzte heftiger Schneefall ein. Die Spitzengruppe kam nach rund 4 Stunden zurück ins Ziel nach Churchill. Hier kämpfen sich Holger und Christian, die beiden deutschen Läufer durch die Elemente. Holger berichtete, dass ihm die Kälte doch sehr zu schaffen mache. Auch Christian kam an den Punkt, bei ab dem er sich durchbeissen musste. Wir versuchten, sie mit flotter Country Musik aus unserem Auto aufzumuntern!

Albert und Antarctic Mike mit ihrer Crew – glücklich im Ziel

Alle Läufer haben das Ziel erreicht. Was für eine Leistung! Ein einsamer Lauf, den Elementen ausgesetzt, Kälte, Eis, Schnee, Eisbären. Ein unglaubliches Abenteuer. “Wir alle haben heute ein Kapitel in unser Lebensbuch geschrieben”, sagte Antarctic Mike nach dem Lauf. Ein Kapitel, das keiner mehr vergessen wird.

Und so sieht der kleine Zeh eines Mount Everest Bergsteiger aus, der seinen ersten Marathon gelaufen ist

Abends wurde gefeiert – mit einem wunderbaren Essen in Gypsys Bakery zu dem alle Läufer, Helfer und Familienangehörigen eingeladen waren. Jeder Läufer erhielt eine Urkunde und ein T-Shirt, die Läufer aus Churchill eine Medaille, die Läufer, die von auswärts kamen, erhielten einen aus Stein geschnitzten Eisbären. Alle Helfer bekamen ein gelbes Polar Bear T-Shirt. Anschließend fand im Kino des Gemeindegebäudes, der hier schlicht “The Complex” genannt wird, eine fantastische Diapräsentation über Eisbären von Dennis Fast statt. Der Bürgermeister von Churchill, Mike Spence, bedankte sich bei den Läufern für das Kommen und Laufen des Marathons und überreichte ein Geschenk der Stadt an die Läufer.

Und irgendwie war allen klar – das war nicht das letzte Mal, dass in Churchill ein Eisbären-Marathon gelaufen wurde!