Archiv der Kategorie: Schreiben

Waldspaziergang


Ich liebe Spaziergänge im Wald. Nicht nur der guten Luft wegen. Es gibt immer etwas zu entdecken. Als Kind sammelte ich Blätter, Eicheln, Kastanien und nahm meine Schätze mit nach Hause wo ich mit Zahnstochern lustige Tierchen baute. Im Herbst sammelte ich bunte Blätter und trocknete sie in dicken Büchern. Nachdem ich eine Woche krank im Bett gelegen bin, machte ich gestern Nachmittag einen Waldspaziergang. Es war wunderschön. Und ich entdeckte ganz vieles. Ich nahm meine Kamera mit, doch als ich am Wald angekommen war, dachte ich, dass das Licht alles andere als perfekt ist – was sollte man da denn schon fotografieren können.
Plötzlich entdecke ich feine Fäden, die silbern in der Sonne glitzerten. Auf einmal waren sie überall! Nur hatte ich sie zuvor einfach nicht wahrgenommen. Der ganze Wald war voller glitzernder Spinnenfäden, die das Sonnenlicht auf eine wunderbare Art reflektierten. Ich war völlig fasziniert davon, dass ich ganz vergass, wie sehr ich mich doch eigentlich vor Spinnen ekle.
Diese Zeit, die ich im Wald verbrachte machte mir deutlich, wie oft ich an den kleinen Wundern des Lebens vorbeigehe, ohne sie wahrzunehmen. Fast hätte ich die Spinnweben nicht gesehen und wäre wohlmöglich enttäuscht nach Hause gegangen, weil ich kein schönes Motiv entdeckt habe. Aber der Wald war voller Möglichkeiten. Ich staunte und konnte mich nicht sattsehen!

Zwischen Genie und Wahnsinn


Frisch gelesen: Die Gedächtniskünstler von Jeffrey Moore. Es muss das Foto auf dem Umschlag gewesen sein, das mein Interesse weckte, als ich es im Regal der örtlichen Mediathek sah. Vor wenigen Minuten habe ich das Buch zu Ende gelesen. Es ist mit Abstand das beste, außergewöhnlichste und rätselhafteste Buch, das ich in den vergangenen Monaten gelesen habe. Eine Mischung aus Dokumentation, Tagebucheintragungen und einer so geschickt verwobenen Geschichte über Freundschaft, Gedächtnis und dessen Verlust, dass der Autor zurecht mit dem Canadian Authors Association Award 2005 ausgezeichnet wurde. Wer sich beim Lesen nicht nur seicht unterhalten lassen möchte, wer einen Sinn hat für skurilres, bizarres und machmal obstrusen Exkursen in die Neurobiologie und Naturheilkunde, den wird das Buch bis zur letzten Seite fesseln. Rezensionen zum Buch gibt es viele, deshalb verzichte ich hier auf einen Link, sondern überlasse das Rechierchieren jedem selbst.

SIE kommen !

Der erste Angriff erfolgt vor dem Morgengrauen. Ich setze an, meinen frisch zubereiteten Kaffee zu geniessen, als ein schwarzes Ding mit summenden Ton an meinem linken Ohr vorbeipfeifft. In der von einer Deckenlampe schwach erleuchteten Küche kommt Unruhe auf. Erneut dringt das Summen durch die Küche. Da kommt sie! Eine Wespe! Ein satter Schlag mit der Fliegenklatsche. Sie stirbt um 6 Uhr morgens. Viel zu früh für eine Wespe. Mein Kaffee ist noch warm.
Mittagspause draussen auf der Bank. Eigentlich habe ich keinen Hunger. Die Wespe schon. Sie ergreift Besitz von meinem Käsebrot! Ich vertreibe sie, dann treibt sie mich.
Die Sonne scheint. Ich sitze wieder im Büro. Die Fenster sind offen, es ist Sommer. Die Wespen freut es, sie surren gerne an meinem Kopf vorbei! Ich schlage mit einem Buch.

Heimfahrt. Warten an der Ampel. Etwas kitzelt. Eine Wespe nuckelt an meinem Ellenbogen! Ein Fingerschnipp. Schlecht getroffen. Wo ist sie? Die Ampel wird grün. Ich warte auf den Stich. Er kommt nicht. Ich bin zu Hause.
Feierabend. Endlich

Lavendel im Regen

Ich steige aus dem Auto. Der Duft von frischem Lavendel liegt in der Luft. Satte Regentropfen drücken die lila Stengel nach unten. Ich erinnere mich an den Sommer in der Provence. Vorbei die Hitze, der Staub, die Sonne. Wolken entladen sich. Ein Blitz zuckt, Donner rollt heran. Bedrohlich irgendwie. Der Regen auf meiner Haut prickelt. Bis ich im Haus bin, werde ich nass sein. Ich gehe langsam.

Das Monster im Keller

Irgendwo im Keller steht sie und staubt vor sich hin: eine alte, schwere mechanische Schreibmaschine. Ein Monster von Schreibmaschine. In verschiedenen Blogs wird zur Zeit die Frage diskutiert, ob die Schreibmaschine nicht der Ausweg aus dem Dilemma sein kann, das wohl jeder, der Texte verfasst, kennt: das Gefühl nichts zu Papier, bzw. nichts auf den Bildschirm zu bringen. Keine Ahnung wie es dir damit geht. Ich neige dazu, mich abzulenken. Eine Schreibmaschine ist nur zum Schreiben da, basta. Meine Finger, die Typenköpfe, das Papier. Sonst nix. Der Computer bietet da eine ganze Spielwiese: hier kommt eine E Mail, ich finde interessante Seiten auf dem Internet, verliere mich in allem möglichen, bleibe aber nicht an meiner Aufgabe. Das nervt irgenwie. Nun haben ein paar kreative Köpfe eine Software entwickelt, die der guten alten Schreibmaschine sehr nahe kommen: das Programm blendet alles aus, es bleibt ein schwarzer Schirm auf dem ein grüner Curser blinkt. Mal sehen, ob mir das Programm dabei hilft, meine Arbeit besser in den Griff zu bekommen. Weitere Infos:
Subtraction
und WriteRoom

Mai

Ich liebe den Mai. Er ist mein absoluter Lieblingsmonat. Nicht nur deshalb, weil ich im Mai zur Welt kam. Der Mai hat etwas geheimnisvolles, ja fast mystisches. Das habe ich versucht, in diesem Bild auszudrücken. Grün ist für mich die Farbe des Mai. Es hat etwas frisches, aufbrechendes, neues. Altes ist vergangen, neues bricht an. „Alles neu macht der Mai“, besagt ein Sprichwort. Wenn ich so aus dem Fenster sehe, dann bezweifle ich, dass es bereits Mai sein kann. Es stürmt, regnet, dann brechen die Wolken auseinander, die Sonne kommt hervor nur um wenige Minuten später von der nächsten Wolkendecke verhüllt zu werden, die noch mehr Regen bringt.


Vor einigen Tagen habe ich Löwenzahn fotografiert. Während ich mitten auf einer Wiese stand, kam ein kräftiger Windstoß und die vielen Samenkörner flogen durch die Luft. Es sah aus, als würde es schneien. Dieses Bild machte mir bewusst, wie fragil unser Leben doch ist. Wie schnell werden wir entwurzelt. Arbeitslosikgeit, Krankheit, Unfall. Von einem Augenblick zum anderen kann sich alles ändern. Was wohl die Samenkörnchen denken, die sich auf ihrer Pusteblume scheinbar sicher verankert wissen, wenn plötzlich der Wind kommt, sie durch die Luft wirbelt und sie nicht wissen, was mit ihnen geschieht. Manchmal fühle ich mich wie so ein Schirmchen, das hin und hergetrieben wird. Und trotzdem schöpfe ich Kraft aus dem Glauben an Gott, öffne meine Arme und lasse mich treiben ins Ungewisse, voller Gewissheit, dass Jesus mich trägt und nicht fallenlässt.