Von Omas Spielhölle zum Fox Schwarzwald-Cego

Fox ist Illustratorin und dabei, die Welt des Cego-Spiels zu revolutionieren. Cego ist ein Kartenspiel, das es nur in Südbaden gibt und als Kulturgut gilt. Damit Cego in Zukunft noch mehr Anhänger findet, hat Fox das Kartenspiel mit einem Schwarzwald-Design entworfen. Und das ist so schön, dass ich jetzt unbedingt das Cego Spielen lernen will.

Über das Cego lassen sich ganze Bücher schreiben, denn die Regeln sind so unterschiedlich wie die Regionen im Südschwarzwald, in denen Cego gespielt wird. Ich muss mich da selbst da noch reinfuchsen, deshalb hab ich mal jemanden gefragt, der ein ausgesprochener Fuchs ist, wenn es um’s Cego geht: Feldberg-Ranger Achim Laber. Auf seiner LaberLaber-Seite hat er übrigens einiges über das Cego-Spiel zusammengetragen. Schaut gerne mal rein.

Schlaue Füchse gibt es so einige im Schwarzwald, aber nur die FOX ist einzigartig mit ihren coolen Kritzel-Portraits – © Fox

„Cego wird mit Tarockkarten gespielt. Im allergrößten Notfall gehen auch Tarotkarten (das sind die, mit denen man unzuverlässig die Zukunft voraussagen, aber zuverlässig Cego spielen kann).

Cego ist am ehesten vergleichbar mit Skat. Außer, dass man mit Karten spielen muss, die man beim ersteigern des Spieles nicht kennt.

Neben den Bildern König, Dame und Bube gibt es dabei noch einen Ritter und 22 Trümpfe, die von eins bis 21 durchnummeriert sind. Den höchsten Trumpf hat keine Nummer und heißt Gschdieß.“

Skat hat früher mein Opa auf der Eckbank in der Küche gespielt. Dabei wurde viel geraucht. Ich sehe noch heute die Rauchschwaden vor meinem inneren Auge, wie sie über den Tisch waberten. Deswegen bin ich als Kind immer gleich aus der Küche geflüchtet. Skat habe ich nie gelernt und bin bis heute Nichtraucher.

Traditionelles Cego-Karten-Design

Aber was ist bitteschön ein Gschdieß? Kapiert habe ich noch immer nicht, wie Cego funktioniert. Trotzdem bin ich ziemlich angefixt, was das Cego-Spiel betrifft und schuld daran ist die Fox. Die hat ein verdammt cooles neues Design für das Cego-Spiel entworfen.

Und – da bin ich mir sicher, dass Fox mit dem neuen Blatt-Design das Cego-Spiel im Schwarzwald revolutionieren wird.

„Ich habe mich gefragt, wie wäre es denn, wenn die Schwarzwälder, die so gerne Cego spielen, ein Cego hätten, auf denen Schwarzwälder Motive drauf wären“ – Fox

Fox hat da auch so eine Erinnerung an die Oma. Die wohnte in einem kleinen Libding (Leibgedinghäusle) im Südschwarzwald, direkt neben ihren Enkelkindern.

Omas Cego-Spielhölle in der Küche

Und weil sie am „Arsch der Welt wohnen“ (O-Ton Fox) und die Oma im Winter auf ihrem Moped nicht zu den anderen Spielern fahren konnte, richtete sie ihre eigene, private Spielhölle ein: In ihrer Küche. Und die Enkel mussten Cego-Spielen lernen.Während sich der Bruder zu einem echten Cego-Fuchs entwickelte, begeisterte sich Fox für die vielen bunten Bildchen auf den Karten.

30 Jahre später kann die Fox noch immer kein Cego, aber richtig gut malen und illustrieren. Und eines Tages, da kamen ihr die bunten „Bildle“ wieder ins Gedächtnis.

Im Fuchsbau bei der Arbeit mit Tablet und Computer
Im Podcast Interview sprechen wir ausführlich darüber, wie die coolen Kritzel-Portraits entstehen

Schwarzwald-Lexikon für die Hosentasche

Wie aber gestaltet man nun ein Kartenspiel mit Bube, Reiter, Dame, König und 22 Trumpfkarten?

Na klar, mit Schwarzwälder Trachten und einheimischen Tieren! Was für ein schlauer Fuchs die Fox doch ist. So eine geniale Idee!

Die Herzfarbe, das lag quasi auf der Hand, bzw. Pfote, wird durch die Gutacher Tracht mit dem typischen Bollenhut dargestellt. Aber der Schwarzwald ist ja weitaus mehr als nur roter Bollenhut. Die Kreuzfarbe wird durch die Hochschwarzwälder Tacht präsentiert, wie sie in St. Märgen getragen wird. Auch hier gibt es von Ort zu Ort Variationen und was alles zur Tracht getragen wird, ist genau definiert. Das Kreuzritter-Blatt ist mit einem Schwarzwälder Uhrenträger gestaltet. Sie trugen die Schwarzwälder Uhren auf ihrem Rücken bis in ferne Länder und trugen so zum Bekanntheitsgrad des Black Forest bei.

Rund eine Woche, bei Recherchearbeiten zwei bis drei Wochen, Arbeitszeit stecken in den neuen Schwarzwald-Cego Karten © Fox

So lernt man beim Cego-Spiel nicht nur zu schmieren, sondern cooles Wissen über den Schwarzwald, mit dem man beim nächsten Small Talk auftrumpfen kann.

Die Kreuzkönigin in der farbenprächtigen Hochschwarzwälder Tracht wie sie in St. Märgen getragen wird © Fox

Die 22 Trumpfkarten werden durch typische Schwarzwälder Tiere – allen voran der Auerhahn – repräsentiert. Neben Hirsch, Dachs, Fuchs gibt es den Feuersalamander und natürlich Informationen zu Lebensraum und Artensterben.

Von der Weltkugel zum Auerhahn

Steht für den Schwarzwald wie kein anderes Symbol: Der vom Aussterben bedrohte Auerhahn © Fox

Wie kommt nun der Auerhahn zu seinem Blatt? Die Cego-Karten, die ja mit Tarockkarten gespielt werden und aus dem französischen Wortlaut stammen, wurden von den Schwarzwäldern entsprechend umbenannt. So wurde aus dem Excusez der Gschtieß und aus der zweithöchsten Trumpfkarte, dem 21’er, der Le Monde (Mund) genannt wurde, der Mund oder Mond.

Auf alten Tarockkarten wurde das Blatt als Weltkugel abgebildet, spätere Designs stellten es als Glucke mit Küken dar. Fox machte daraus den Auerhahn, den Symbolvogel des Schwarzwalds. „Die Glucke ist so fest im visuellen Gedächtnis der Schwarzwälder verankert, da wollte ich sie nicht durch einen komplett andere Tierart ersetzen“, berichtet Fox.

Versteigerung im Kloster Museum St. Märgen

Damit die Schwarzwald-Cego Karten in den Stuben des Schwarzwalds auf den Tisch kommen, organisiert Fox ein Crowdfunding. Ihr könnt also einer der ersten sein, die mit dem original Schwarzwald-Cego Kartenspiel auftrumpfen!

Noch bis zum 30. Oktober sind sechs Kartendesigns als überdimensionale Kunstunikate auf Holzbretter aufgezogen im Klostermuseum St. Märgen zu sehen und können als wertvolle Sammlerstücke erworben werden!

Wer exklusiv eines der original Kunstwerke erwerben möchte, sollte sich Samstag, 30. Oktober 18 Uhr vormerken. Anlässlich der Finissage, bei der übrigens der bekannte Schwarzwald-Schriftsteller und Historiker Roland Weis als Auktionator fungiert, werden die Kunstwerke zugunsten des Akkordeon-Orchesters „Chill Out“ St. Märgen versteigert. Wer nicht zur Versteigerung kommen kann, hat dennoch die Möglichkeit, bei der Versteigerung mitzuwirken und kann seine Gebote schriftlich einreichen. Mehr Infos dazu auf der Facebook-Seite von Fox.

Interview mit Fox über’s Zeichnen, Cego und weshalb sie Brillfluencerin werden will


Ich bin nach Neustadt in den Fuchsbau gefahren und habe mich mit Fox über ihre Arbeit als Illustratorin und natürlich über das Cego-Spiel unterhalten. Also werft die Lautsprecher an, stöpselt euch die Kopfknöpfe ins Ohr und drückt auf Play für das exklusive Interview.

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