Testbericht Joe Nimble WanderToes 2.0

Auf der Suche nach einem Barfußschuh, der sich für Wanderungen im alpinen Gelände eignet, bin ich auf den Joe Nimble WanderToes 2.0 gestoßen. Würde er meine Anforderungen nach einem Barfußschuh mit gutem Grip erfüllen? Auf einer Wanderung in der Matterhorn-Region zeigte der Schuh, was in ihm steckt.

Die Vorgeschichte

Seit rund zehn Jahren beschäftige ich mich mit sogenannten Barfußschuhen. Eine Bezeichnung für Schuhe oder Sandalen, die über eine breite Zehenbox und eine Null-Sprengung, also keinen Absatz verfügen und nur wenig oder keine Dämpfung in der Sohle aufweisen. Ich hatte die Möglichkeit, Barfußschuhe unterschiedlichster Marken zu testen. Die von mir getesteten Schuhe eignen sich prima für leichte bis mittlere Wanderungen im Mittelgebirge. Auf Wanderungen oder Trekkingtouren im alpinen Gelände trug ich meine bewährten Hangwag Stiefel. Ich traute den Sohlen der Barfußschuhe nicht. Der Schwachpunkt liegt im Grip der Sohle. Sie war zu rutschig bei Nässe, bot zu wenig Halt im felsigen Gelände. Und wenn ich mich auf meinen Schuh nicht verlassen kann, stellt das ein Sicherheitsrisiko dar.

Wer ist Joe Nimble

Durch Social Media wurde ich auf eine Firma aufmerksam, die ich bislang nicht auf dem Schirm hatte: Joe Nimble. Aufgrund des Namens bin ich davon ausgegangen, dass es sich um eine amerikanische Marke handelt, stellte dann aber fest, dass es dem nicht so ist. Joe Nimble ist eine Firma, die in meinem eigenen Bundesland, Baden-Württemberg, ansässig ist. Die Firma ging aus dem Familienunternehmen Bär-Schuhe hervor, die seit 1982 Schuhe mit einer natürlichen Fußform herstellt.

2011 starteten die Söhne der ursprünglichen Firmengründer, Sebastian und Christof Bär, die Tochterfirma Joe Nimble, die sich auf Lauf- und Wanderschuhe spezialisiert hat. Ich scrollte mich durch die Webseite, las über die Philosophie, schaute mir die Modelle genau an. Der WanderToes 2.0 verfügt über ein Stollenprofil, die Sohle stammt vom bekannten Reifenhersteller Michelin, dessen Michelin-Männchen wohl jeder kennt. Auch das war mir neu, dass Michelin Sohlen fertigt.

Der WanderToes 2.0 in der Lederausführung mit roten Schnürsenkeln Produktfoto des Herstellers

Es klang fast zu gut. Ist der WanderToes 2.0 der Schuh, der mit genügend Grip für alpines Gelände ausgestattet ist? Im September stand eine Schweiz-Reise an, und es wäre das geeignete Terrain, um den Schuh zu testen. Also schrieb ich Joe Nimble an und fragte nach einem Testmodell.

Joe Nimble Wandertoes 2.0

Das Sohlenprofil der Michelin Trailrunning Sohle sieht vielverprechend aus

Der WanderToes 2.0 ist eine Weiterentwicklung des originalen WanderToes. Neu ist die Sohle von Michelin, die die Vibram-Sohle ersetzt hat. Ich halte sehr viel von Vibram-Sohlen und fand es zunächst schade, dass der neue WanderToes nicht mehr mit einer Sohle des italienischen Herstellers ausgestattet ist.

Nach wenigen Tagen kam mein Testmodell an. Ich folgte der Empfehlung auf der Webseite, den Schuh eine halbe Nummer größer zu bestellen, also in 39 anstatt 38.5, und er passte genau.

WanderToes 2.0 – erster Eindruck

Die Schuhe werden in einem Schuhkarton mit zwei Schuhbeuteln und zusätzlichem Schnürsenkel geliefert. Sie sehen gut verarbeitet aus und machen einen wertigen Eindruck. Auffällig ist, wie leicht sie sind. Eine erste Anprobe vermittelt einen Wow-Effekt. Leicht und bequem sitzen sie am Fuß, einzig das als „Addict“-Fußbett bezeichnete 6 Millimeter dicke Fußbett mit 3 Millimeter dickem Fersenpolster stört mich. Also Fußbett raus und durch ein dünnes ersetzt und schon fühlt sich der Schuh viel besser an. Die Sohle ist mit 10 Millimeter für einen Barfußschuh schon recht üppig, allerdings geht es mir bei einem Barfuß-Wanderschuh weniger um das Barfußgefühl, als um eine stabile, sichere Sohle mit weiter Zehenbox.

Solider Auftritt in den Schweizer Bergen

Genau das wollte Joe Nimble mit der neuen Sohle erreichen: Einen Schuh, der für zuverlässige Traktion auf unterschiedlichstem Terrain sorgt, gleichzeitig aber ein direktes Bodengefühl zulässt.

Weiter wurde er im Bereich der Zehen verstärkt, so dass der Schutz vor spitzen Steinen und Wurzeln verbessert wurde.

Die neue Michelin-Sohle nennt sich Trail Running von Soles by Michelin, ist aus EVA-Schaum gefertigt mit einem 6 Millimeter dickem Stollenprofil aus Gummi und einer Null-Absatz-Sprengung.

WanderToes 2.0 im Einsatz

Ich trug den Schuh während unserer Schweiz-Reise, auf der wir mit Lada und Dachzelt unterwegs waren und in den unterschiedlichsten Regionen Wanderungen unternahmen (Jura, Wallis, Tessin, Graubünden).

Ein Einlaufen der Schuhe war nicht nötig. Das Leder des Schuhs ist weich und angenehm und schmeichelt sich regelrecht an meinen Fuß. Obwohl ich anfangs das Addict-Fußbett entfernt und durch eine Ledersohle ersetzt habe, entschließe ich mich quasi in letzter Minute dazu, doch das Addict Fußbett einzusetzen, um den Schuh mit dem original gelieferten Fußbett zu testen.

Das weiche Geh-Gefühl ist für mich zunächst ungewohnt, doch nach kurzer Zeit habe ich mich daran gewöhnt. Ein bisschen ist es, wie auf Wolken zu gehen. Da ich unterwegs einen Tagesrucksack dabei habe mit Kameraausrüstung, Trinkflasche und Proviant, kann ein wenig Dämpfung nicht schaden. Auf einer dreitägigen Wandertour mit Rucksack, die ich mit Barfußschuhen einer anderen Marke ohne Dämpfung unternahm, hatte ich abends müde Füße und etwas Dämpfung echt vermisst.

Da wir auf unserer Reise mit dem Lada, Dachzelt und unserem Hund nur minimal Gepäck mitnehmen können, hat jeder von uns nur das notwendigste dabei. Bei mir befinden sich zusätzlich zum Joe Nimble noch ein Paar wasserdichter Bafuß-Schuhe und Barfuß-Sandalen im Gepäck. Ich trage die WanderToes nicht nur beim Wandern, sondern fahre mit ihnen Auto und habe sie ganztags an, wenn wir unterwegs sind.

Wanderung am Matterhorn

Von unserem Campingplatz in Randa fahren wir mit einem Bus-Shuttle bis nach Zermatt und steigen dort in die Gornergrat-Bahn, die uns von 1.600 Meter zum Gornergrat auf 3.100 Meter bringt. Es ist ein Bilderbuchtag: Keine Wolken am tiefblauen Himmel, für die Jahreszeit und Höhe ist es viel zu warm.

Viel Blau, wenig Weiß. Auf der Wanderung vom Gornergrat zum Riffelberg

Auf der Wanderung vom Gornergrat nach Riffelberg haben wir fantastische Ausblicke auf das Matterhorn. Es ist wirklich ein eindrückliches Erlebnis, die Bergikone mit eigenen Augen zu sehen. Insgesamt sind wir rund 7 Kilometer unterwegs und steigen knapp 900 Höhenmeter ab. Die Wege sind als T2 gekennzeichnet, es gibt ein felsiges, leicht abschüssiges Stück, ansonsten weisen die Wege keine besonderen Schwierigkeiten auf. Natürlich muss man trittsicher und schwindelfrei und mit entsprechendem Schuhwerk ausgerüstet sein – aber das sollte auf den weiß-rotweiß markierten Bergwanderwegen selbstverständlich sein.

Einen solchen Pausenblick hat man nicht alle Tage

Da wir früh mit einer der ersten Bahnen zum Gornergrat gefahren sind, ist es noch relativ ruhig am Berg. Zum Mittag hin sind dann regelrechte Massen zum Riffelsee unterwegs, um die berühmte Matterhorn-Spiegelung zu fotografieren. Nachdem wir den Riffelsee passiert haben, wandern wir auf unserem Pfad abseits der Besucherströme meist alleine weiter.

Traktion und Grip

Wir wandern zunächst auf gerölligem Terrain steil abwärts, bevor der Bergpfad über felsige, teils lose steinig-sandige Abschnitte zum Riffelsee führt. Ein ideales Terrain, um die Performance des Schuhs, vor allem die der Sohle, zu testen.

Der Untergrund ist sehr trocken, die Wasserläufe, Quellen und Bäche sind allesamt versiegt – ein erschreckendes Bild, das sich uns im September 2022 nicht nur am Gornergrat, sondern auch in anderen Gebieten in den Schweizer Alpen zeigt.

Ist die Sohle zu dick für einen Barfußschuh?

Dank jahrelanger Verwendung von Barfußschuhen und Sandalen hat sich meine Fußmuskulatur gut entwickelt. Ich habe kräftige Füße, die mir einen festen Stand geben und sicheres Gehen erlauben. Ich brauche keine Stützungen, sondern will meinen Fuß möglichst frei bewegen und den Untergrund spüren.

Das ist mit den WanderToes 2.0 aufgrund der Sohle nur bedingt möglich. Ich finde es dennoch ausreichend, um mir ein Bodengefühl zu vermitteln. Sprich, ich spüre Steine, Wurzeln etc. was in herkömmlichen Wanderschuhen aufgrund der Sohlendicke unmöglich ist. Meine Zehen können sich in der breiten Zehenbox sehr gut ausbreiten, was für natürliches Gehen unabdingbar ist. Der Fuß rollt gut ab. Die Schuhe sind so leicht, nichts drückt oder engt ein. Ich bewege mich mit leicht federnden Schritten, auch mal tänzelnd über die Trails und fühle mich durch die verstärkte Zehenkappe ausreichend geschützt.

Die Michelin-Sohle überzeugt, der Grip ist selbst auf losem, sandigem Grund hervorragend. Ich bewege mich absichtlich auf Steilstücken, gehe über Felsen, klettere im Gelände, um den Halt der Sohle in unterschiedlichen Situationen zu testen. Egal wohin und worüber ich trete: Die Sohle bietet guten Grip und hervorragende Traktion. Das Stollenprofil überzeugt auf ganzer Linie. Ein Test auf nassem, feuchtem Grund ist aufgrund der Trockenheit nicht möglich.

Guter Grip – auf trockenem Terrain spielt der WanderToes 2.0 seine Stärken aus

Hin und wieder gelangen kleine Steinchen hinten in die Ferse. Vermutlich weil der Schuhschaft nur halbhoch und es sehr trocken ist. Vorne ist der Schuh mit einer Staublasche versehen, dort bleibt der Fuß vor eindringenden Partikeln geschützt.

Die Schnürsenkel lösen sich nicht, alles sitzt, ich muss nicht nachschnüren. Ich bin froh, dass ich mich dazu entschieden habe, das original Fußbett im Schuh zu belassen. Die leichte Dämpfung empfinde ich als angenehm, besonders im Hinblick auf den Tagesrucksack, der doch einige Kilo wiegt.

WanderToes 2.0 – Fazit

Ein Schuh für Alltag und Abenteuer. Der WanderToes 2.0 hat mich mit seiner griffigen Sohle, dem weichen Leder und der soliden Verarbeitung rundum überzeugt. Wer auf echtes Barfußgefühl Wert legt, dem wird der Schuh ein bisschen zu viel an Sohle und Dämpfung bieten. Wer die Dämpfung verringern möchte, kann beim Hersteller eine Ledersohle bestellen. (Aufgrund der besonderen Fußform empfehle ich die Joe Nimble Ledersohle zu bestellen, die exakt auf den Schuh zugeschnitten ist).

Das Obermaterial besteht aus Rindnappaleder, das – wie alle Leder – wasserabweisend, aber nicht wasserfest ist. Innen ist der Schuh mit einem atmungsaktiven Textilfutter ausgestattet. Das Fußklima empfand ich als sehr angenehm – sowohl an sehr heißen (+30 Grad) wie an kalten Tagen. Ich stufe den WanderToes 2.0 als 3-Jahreszeiten-Wanderschuh ein, der sich von Frühjahr bis Herbst bei trockener bis leicht feuchter Witterung prima tragen lässt. Bei starken Regenfällen und im Winter bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und kälter kommt der WanderToes 2.0 sicherlich an seine Grenzen.

Auf der Suche nach einem Wanderschuh, der sich im alpinen Gelände bewährt, hat sich der Joe Nimble WanderToes 2.0 hervorragend geschlagen. Die Michelin Trail Running Sohle ist eine der besten, die ich bisher unter den Füßen hatte. Das Stollenprofil bietet hervorragenden Grip, gerade auf losem, steinigem, felsigem und sandigem Untergrund.

Joe Nimble WanderToes 2.0 im Überblick

  • Material: Rindnappaleder mit beschichtetem Textil
  • Futtermaterial: Atmungsaktives Textilfutter
  • Sohle: 10 mm Trail Running Sohle von Soles by Michelin aus EVA-Schaum  mit 6 mm Stollenprofil (Gummi) und Null-Absatz Sprengung
  • Einlegesohle: Addict Fußbett (6mm) aus EVA mit Textilbezug und 3 mm Fersenpolster
  • Gewicht: rund 321 Gramm pro Schuh in der Größe 38,5
  • Herstellungsland: Indien (eigene Betriebsstätte der Firma Bär)
  • Preis: 245 Euro
  • Erhältlich in schwarz oder braun

Die Ausführung WanderToes 2.0 light besteht aus Textil (Diamond) hydro und beschichtetes Textil, wiegt 294 Gramm pro Schuh und kostet 219 Euro.

Lobenswert: JoeNimble bietet einen umfangreichen Service mit Reparatur, Neubesohlung und Sonderanfertigungen an. Die Schuhe lassen sich mehrmals Wiederbesohlen. Joe Nimble gibt für alle Modelle eine 3-jährige Qualitätsgarantie. Auf Reparaturen gibt es eine einjährige Garantie. Der Schuhreparatur-Service umfasst Arbeiten wie Austausch der Laufsohle, Nähte erneuern, Aufleisten, Generalüberholung des Schafts inklusive Näharbeiten, Erneuerung des Fersenfutters und vieles mehr. Eine Übersicht findet sich auf joe-nimble.com.

Der Preis für eine Neubesohlung der Schuhe beträgt 65 Euro.

Beiden Modellen wird ein zweites Paar Schnürsenkel beigelegt. Bei meinem Modell (schwarzes Leder mit roten Schnürsenkeln) war ein Paar Schnürsenkel in Schwarz/Antrazit beigelegt, allerdings in einem anderen Material und wesentlich dünner. Das wäre mein einziger Kritikpunkt: Bei einem Schuh in dieser Preisklasse sollte ein zweites Paar Schnürsenkel in derselben Qualität/Material eigentlich selbstverständlich sein.

Joe Nimble pro und contra

pro
  • Solider Schuh, sehr gute Verarbeitung, Firma in Baden-Württemberg mit eigener Betriebsstätte in Indien (keine Fertigung in Fremdfabriken)
  • jahrzehntelange Erfahrung in Sachen Schuhfertigung mit Zehenfreiheit
  • eigene Entwicklungsabteilung
  • Nachhaltig – Reparaturservice
  • 3 Jahre Garantie
  • die Philosophie von funktionalem Schuhwerk wird von den Firmengründern authentisch gelebt
contra
  • Außer dass ich die zweiten Paar Schnürsenkel zu dünn und zu „billig“ finde und dass ab und zu ein paar Steinchen hinten in die Ferse gelangen (vor allem beim Tragen von kurzen Hosen) habe ich keinerlei Negativpunkte gefunden
  • Der hohe Preis dürfte eventuell abschrecken. Wenn man den WanderToes jedoch nicht als bloßen Schuhkauf, sondern als Investition in die Gesundheit betrachtet, relativiert sich das.

Weitere Informationen auf der Herstellerwebseite

Offenlegung: Der Joe Nimble WanderToes 2.0 wurde mir als Testexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt. Für diesen Testbericht habe ich kein Honorar erhalten, auch wurde meine Meinung nicht durch den Hersteller beeinflusst.

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