Das sind meine Barfußschuhe

Barfußschuhe sind eigentlich ein Widerspruch in sich. Entweder barfuß oder mit Schuhen, aber beides zusammen ist eigentlich Unsinn. Was aber genau sind Barfuß-Schuhe? Lebt es sich mit Barfußschuhen tatsächlich gesünder, wie oft behauptet wird? Und wie finde ich die richtigen Barfußschuhe für mich?

Unter Barfußschuhen versteht man Schuhwerk, das dem Barfußgehen möglichst nahe kommt. Es soll möglichst viel Barfuß-Gefühl entstehen und das mit so wenig Schuh wie nötig. Barfußschuhe sind mit einer sogenannten Zero-Drop-Sohle ausgestattet, besitzen also keine Erhöhung zur Verse hin. Wichtig ist eine möglichst dünne Sohle, die es ermöglicht, den Untergrund zu spüren. Weiteres Merkmal ist eine breite Zehenbox, sodass die Zehen genügend Platz haben, um sich zu spreizen. Das Material, aus dem der Schuh gefertigt ist, sollte möglichst flexibel sein und dem Fuß keinerlei Stütze bieten. Um Barfußschuhe hat es in den vergangenen Jahren einen regelrechten Hype gegeben und ihnen werden schmerz- und gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt.

Lebt es sich mit Barfußschuhen tatsächlich gesünder?

Happy Feet – happy Mind

Da ich mich seit vielen Jahren intensiv mit Barfußschuhen beschäftigte und viele unterschiedliche Marken getestet habe, berichte ich in diesem Beitrag von meinen Erfahrungen mit Barfußschuhen.

Motorradunfall – nichts geht mehr

Ich hatte bislang nie Rücken- oder Fußprobleme. Allerdings mit Anfang 20 einen heftigen Motorradunfall, der mich für fast einen Monat ans Krankenhausbett fesselte. An Gehen war in den ersten Monaten nicht mehr zu denken. Schritt für Schritt lernte ich an Krücken zu gehen und das Treppensteigen. Nach dem Krankenhausaufenthalt war Physiotherapie angesagt. Damals wurde mir geraten, viel barfuß zu gehen. Etwa sechs Monate nach dem Unfall konnte ich wieder auf meinen eigenen Füßen stehen und mich halbwegs normal fortbewegen.

Wie haben Barfußschuhe mein Leben verändert?

Vor etwa zehn Jahren begann ich damit, so genannte Barfußschuhe auszuprobieren. Das Tragen von Barfußschuhen hat meine Fußmuskulatur enorm ausgebildet. Meine Füße sind breiter, etwas länger und vor allem muskulöser geworden. Das bedeutet, ich habe einen stabilen, starken Stand, was mich beim Stehen, Gehen, Wandern und beim Sport treiben wie Laufen, Yoga, Radfahren, Surfen und Stand Up Paddling enorm unterstützt.

Ein weiterer, schöner Effekt: Ich fühle mich geerdet, was sich auf meine Haltung – physisch und psychisch – positiv auswirkt. Schließlich tragen mich meine Füße durchs Leben – und was ist, wenn sie es nicht mehr tun, habe ich ja selbst erlebt. Deshalb setze ich alles dran, dass meine Füße optimales Schuhwerk tragen, das sie in ihrer Funktion unterstützt und nicht einschränkt.

Wie finde ich den richtigen Barfußschuh?

Inzwischen bieten sehr viele Hersteller Barfußschuhe an. Eine gute Entwicklung, denn so ist gewährleistet, dass jeder Fuß den passenden Schuh findet. Ich habe viele Schuhe unterschiedlicher Marken anprobiert, aber nicht alle passten zu meinen Füßen. Deshalb mein Rat: gebt nicht auf, wenn euch eine Marke nicht passt, sondern probiert weiter. Wichtig ist vor allem, dass ihr euch über den Einsatzzweck klar seid. Wollt ihr Schuhe für den Alltag oder zum Laufen? Zum Wandern oder für Yoga? Inzwischen bieten einige Hersteller Schuhe und Sandalen an, die sich für alle möglichen Sportarten eignen und auch von professionellen Sportlern getragen werden.

Inzwischen bieten viele Hersteller Barfußschuhe fürs Wandern an

Meine Erfahrungen mit Barfuß-Schuhwerk

Im Laufe der Jahre habe ich einige sehr unterschiedliche Barfußschuhe von verschiedenen Herstellern ausprobiert. Wie es angefangen hat und welche Schuhe ich an den Füßen hatte, schildere ich in den nächsten Abschnitten.

Teva – die Outdoor Sandale

Vor über 33 Jahren studierte ich in Hawaii. Einer meiner Mitstudenten trug eine schicke Sandale, die mit Velcro-Bändern um den Fuß geschnürt wurde: Teva-Sandals, ursprünglich entwickelt als Wassersportsandale. In Hawaii trägt jeder Flip Flops, doch diese spezielle Sandale fand ich genial, weil sie auch zum Wandern und Radfahren taugte. Und schon bald hatte auch ich eine dieser Teva-Sandalen am Fuß.

Leider war das bei mir mit erheblichen Schmerzen verbunden. Die Riemenschnalle drückte empfindlich auf eine Stelle meines Knöchels. So sehr ich die Tevas mochte, optimal war das erste Paar leider nicht. Doch die Idee einer Outdoor-Sandale mit gutem Grip fand ich klasse und Jahre später wanderte ich (schmerfrei) in einem anderen Modell der Teva-Sandale durch den Schwarzwald. Allerdings sind die Tevas mit Fußbett ausgestattet und somit keine Barfußschuhe. Ein Grund, weshalb ich heute meine Teva-Wandersandalen auch nicht mehr trage.

Luna Sandals

Eine Wende brachte das Buch „Born to Run“ von Christopher McDugall. Darin beschreibt er seine Erfahrungen als Läufer, der plötzlich unter starken Schmerzen litt. Seine Recherchen über schmerzfreies Laufen führten zu einem abgelegenen Canyon in Mexiko. Dort trafen sich einige der weltbesten Ultraläufer mit den einheimischen Tarahumara, einem indigenen Stamm, um sich ein Wettrennen zu liefern, denn die Tarahumara zählen zu den besten Läufern der Welt.

Unter den amerikanischen Läufern befand sich Ted McDonald, ein Freak, der nur barfuß ging, weswegen ihn alle Barefoot Ted nannten. Barefoot Ted ließ sich von Manuel Luna zeigen, wie die Tarahumara ihre Laufschuhe herstellten: ausgediente LKW-Reifen wurden mit einer Lederschnürung versehen, fertig war die Laufsandale. Barefoot Ted rannte statt barfuß in den LKW-Schlappen und war restlos begeistert. Zu Hause in Kalifornien tüftelte er an einem Prototypen und gründete die Firma Luna-Sandals, die in einer Garage Laufsandalen mit Vibram-Sohlen herstellten.

Von links: Luna Oso Flaco, Luna Leadville Trail, Luna Mono original

Im Buch erwähnt wurden auch Softstar Shoes und Invisible Shoes, die ultraleichte Sandalen in ihrer Garage bastelten (später wurde aus dem Experiment Xero Shoes). Ich ließ mir zwei Paar Softstar Shoes individuell fertigen und das war mein Einstieg in die Welt des Barfußschuh-Gehens. Bald folgten die Luna Oso und Mono Sandale, mit der ich viele Wanderungen im Schwarzwald unternahm und die sogar mit mir in die Antarktis und in die kanadische Arktis (getragen mit Socken) reisten.

Free your feet – your mind will follow

Wenn ich mich recht erinnere, war das irgendwann vor vielen Jahren ein Spruch von Teva, der auf den Schuhkartons stand. Es war tatsächlich so: Luftige Füße bedeuteten einen freien Kopf. Den Sommer verbrachten meine Füße überwiegend in Luna und Keen Sandalen. Die Keen Sandalen (Modell Owyhee – wird leider nicht mehr hergestellt) fand ich prima, weil sie einen Zehenschutz haben. Allerdings waren sie mit einem Fußbett ausgestattet und somit keine echten Zero-Drop Barfußschuhe.

Die Keen Clearwater CNX verfügt über eine flache Sohle, ist aber kein Zero-Drop

Keen bietet mit der Clearwater CNX eine Sandale an, die zwar über eine 4 mm Sprengung zwischen Vorderfuß und Ferse verfügt und damit keine richtige Barfuß-Sandale ist, trotzdem dem Barfuß-Gefühl so nahe kommt wie sonst keine andere Sandale der Marke. Ich habe die Sandale ausführlich getestet, würde sie aber nicht mehr für diese Art von Tageswanderung einsetzen, wie in diesem Test. Als Alltagssandale trägt sie sich sehr bequem und bietet den Zehen durch die Kappe einen guten Schutz.

Vibram Five-Fingers

Irgendwann kamen die Vibram Five-Fingers auf den Mark. Die sahen aus wie Entenwatschen und nie wollte ich solche Dinger an den Füßen tragen. Natürlich kam es anders und ein paar Mal wagte ich mich tatsächlich mit ihnen auf Feld und Flur. Allerdings war das Anziehen der einzelnen Zehen ein Gefrimel und die Five-Fingers entwickelten einen echt mörderischen Gestank und irgendwie konnte ich es einfach nicht abhaben, dass meine Zehen in der Kautschukhülle stecken, wo sie sich doch viel lieber in luftigen Sandalen bewegen.

New Balance Minimus

Meine ersten richtigen Barfuß-Trailrunning Schuhe mit denen ich viele Kilometer gelaufen bin

Ultramarathon-Läufer Anton Krupicka, der damals von New Balance gesponsert war, schnitt von seinen Laufschuhen die Ferse ab, um auf diese Weise den Schuh für seinen minimalistischen Laufstil zu optimieren. Dies führte zur Entwicklung des New Balance Minimus, einem der ersten Zero Drop Trailrunning-Schuhe. Die Schuhschachtel in der die Minimus geliefert wurden (ich hatte mir damals gleich zwei Paar gekauft) informierten über den andersartigen Laufstil und kamen mit dem Warnhinweis, sich langsam an den neuen Laufstil und die fehlende Stützung zu gewöhnen, da sonst Verletzungsgefahr besteht. Mit dem Trail Minimus steigerte ich meine Läufe, bis ich so täglich rund zehn Kilometer in ihnen lief.

Leguano

Ab in die Wildnis – mit dem Leguano Aktiv ist man selbst abseits asphaltierter Wege gut zu Fuß

2009 kam die Marke Leguano auf den Markt. Also kamen die Leguano an die Füße und ich erlebte einen WOW-Effekt. Gefertigt werden sie in Deutschland, das fand ich auf Anhieb super sympathisch. Vom Aussehen her fand ich sie zwar bieder, aber sie sind so dermaßen komfortabel und flexibel, dass sie eine Wohltat für meine Füße waren. Mit den Leguano habe ich so einiges erlebt – sie trugen mich durch die Wildnis im kanadischen Norden wie auch über die Chinesische Mauer. Und mit den Winter-Leguanos joggte ich sogar im Schnee. Den Testbericht darüber könnt ihr hier lesen.

Skinners

Die Socken, die Schuhe sind, oder Schuhe, die Socken sind – den ausführlichen Testbericht über die Skinners findet ihr hier.

Xero Shoes

In den Sandalen von Xero Shoes läuft es sich leicht und luftig

Ich war also ganz happy mit meinen Leguano Schuhen und den Luna Sandalen, von denen ich die aus der Ur-Oso weiterentwickelte Luna Oso Flaco für GoFree Concepts testete. Den Testbericht könnt ihr in meinem Gastartikel auf der Webseite nachlesen. Als mich Christian von GoFree Concepts fragte, ob ich Lust hätte, einen neuen Trail Running Schuh zu testen, sagte ich gerne zu. Meinen Gastbeitrag über diese Barfußschuhe könnt ihr ebenfalls dort lesen. Das war mein Einstieg in die Welt von Xero Shoes. Den Mesa Trail trug ich auf Wanderungen, Spaziergängen, im Alltag, ja sogar auf einer mehrtätigen Trekkingtour im Schwarzwald. Der Mesa Trail ist bis heute einer meiner meistgetragenen Barfußschuhe. Ich gehöre inzwischen den Xero Hero Testern an und teste mit einem weiteren Kreis von Sportlern die neu entwickelten Barfußschuhe, wie die Z-Trail Sandale, den Prio. Meine Eindrücke schildere ich in diesem Bericht und einen englischen Testbericht über den Winterstiefel Alpine gibt es hier zu lesen.

Bis heute habe ich keinen besseren Schuh gefunden, der so optimal auf meine Füße passt. Einer meiner kommenden Blogbeiträge wird sich in einem ausführlichen Test den Schuhen von Xero Shoes widmen.

Joe Nimble

Auf der Suche nach einem geeigneten Wanderschuh bin ich auf den WanderToes 2.0 von Joe Nimble gestoßen. Ich dachte zunächst, dass es sich dabei um eine amerikanische Firma handelt. Umso überraschter war ich, dass die Firma in meinem Bundesland Baden-Württemberg, in Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart, ansässig ist. Dahinter steht BÄR-Schuhe, ein Familienunternehmen, das seit 1982 Schuhe mit einer natürlichen Fußform herstellt. Die Manufaktur befindet sich allerdings nicht in THE LÄND, sondern in einer eigenen Betriebsstätte in Indien. 2011 gründeten die Söhne der Firmengründer, Sebastian und Christof Bär die Tochterfirma Joe Nimble, die eine Produktlinie für Barfußschuhe ins Leben riefen.

Die Bär Schuh GmbH und Joe Nimble beschäftigen 85 Mitarbeiter und produzieren jährlich rund 200.000 Paar Schuhe. Design und Entwicklung der Prototypen finden nach wie vor in Deutschland statt.

Im September werde ich den JoeNimble WanderToes 2.0 ausgiebig testen. Das mitgelieferte Fußbett (Addict Fußbett 6 mm aus EVA mit 3 mm Fersenpolster) war mir zu sehr gepolstert, weshalb ich ich es gleich gegen eine einfache Ledersohle getauscht habe. Ich bin gespannt, wie sich der WanderToes in der Praxis läuft. Meine Erfahrungen schildere ich ebenfalls in einem ausführlichen Testbericht auf takkiwrites.

Video zu meinen Barfußschuhen

2 Gedanken zu „Das sind meine Barfußschuhe“

  1. Sehr interessant zu lesen, mit welchen Schuhen Du bereits deine Erfahrungen gemacht hast. Danke für’s Teilen.

    Was Sandalen angeht, kann ich dir meine neueste persönliche Entdeckung, die Sandalen von AVO [1], empfehlen. Ganz neues Konzept und im Vergleich zu meinen Shamma Warriors deutlich besser.

    [1] avosandals.com

  2. Hallo Björn,
    vielen Dank für deinen Kommentar.
    Tatsächlich kenne ich die Marke AVO noch nicht. Bin gespannt, da mehr darüber zu erfahren.
    Demnächst kommt noch ein weiterer ausführlicher Testbericht zu den Xero Shoes und ein Test der Joe Nimble Wandertoes 2.0.

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