Abgesoffen! Warum mir Sebastian Fitzeks Psychothriller Passagier 23 die Lust am Lesen nimmt

Sebastian Fitzek ist derzeit Deutschlands erfolgreichster Autor von Psychothrillern. Sein neuster Roman „Passagier 23“ stand wochenlang auf der Spiegel Bestsellerliste. Auf der Leipziger Buchmesse feierten Fans den Berliner Autor wie einen Popstar. Nachdem ich Fitzek in Leipzig bei einem Interview erlebte, stand fest: Ich muss dieses Buch lesen. 

Ich mag es, wenn Bücher schön verpackt sind. Damit meine ich kein Geschenkpapier, sondern das Cover. Passagier 23 hat ein geniales Cover.

Ein ansprechendes Cover macht neugierig auf die Lektüre
Ein ansprechendes Cover macht neugierig auf die Lektüre

Monochromes, düsteres Grau, das die Bordwand eines Schiffes suggeriert, dazu ein Bullauge von dem der Blick direkt auf das aufgewühlte, wellengeschäumte Meer fällt.

„Denken Sie an einen Ort ohne Polizei. Eine Kleinstadt, aus der Jahr für Jahr Dutzende Menschen verschwinden. Spurlos. Der Ort für das perfekte Verbrechen. Herzlich Willkommen auf Ihrer Kreuzfahrt!“ 

Zu Beginn des Buches wird ein Bericht aus dem Tagesspiegel zitiert, wonach seit 2000 weltweit auf Kreuzfahrtschiffen und Fähren mindestens 200 Passagiere und Crewmitglieder über Bord gegangen sind.

Das Cover verspricht einen düsteren Psychothriller, wofür Fitzek bekannt und von seinen Fans geliebt wird. Und was für ein Plot! Passagiere, die von Bord verschwinden. Das schreit geradezu nach spannenden Lesestunden.

Martin Schwartz, Polizeipsychologe, hat vor fünf Jahren Frau und Sohn verloren. Es geschah während eines Urlaubs auf dem Kreuzfahrtschiff „Sultan of the Seas“ – niemand konnte ihm sagen, was genau geschah. Martin ist seither ein psychisches Wrack und betäubt sich mit Himmelfahrtskommandos als verdeckter Ermittler.
Mitten in einem Einsatz bekommt er den Anruf einer seltsamen alten Dame, die sich als Thrillerautorin bezeichnet: Er müsse unbedingt an Bord der „Sultan“ kommen, es gebe Beweise dafür, was seiner Familie zugestoßen ist. Nie wieder wollte Martin den Fuß auf ein Schiff setzen – und doch folgt er dem Hinweis und erfährt, dass ein vor Wochen auf der „Sultan“ verschwundenes Mädchen wieder aufgetaucht ist. Mit dem Teddy seines Sohnes im Arm…

So beschreibt es der Droemer Verlag auf seiner Ankündigung.

Ich lese. Doch der Roman will nicht so recht an Fahrt gewinnen. Statt auf einem hochmodernen Kreuzer komme ich mir vor wie auf einem kleinen Ruderboot, auf dem ich mühsam gegen die Wellen ankämpfen muss. Die Wellen brechen in Form von Sebastian Fitzeks Sätzen über mich herein. Fitzek nimmt mir die Lust am Lesen seines Buches. Warum eigentlich? Denn spannend geschrieben ist es.

Fitzek nimmt mir die Lust am Lesen 

Nachdem ich am nächsten Abend weitere Kapitel gelesen habe, ist mir klar, weshalb ich mich nicht so recht mit dem Roman anfreunden kann. Denn in der Zwischenzeit habe ich den Draht zu den handelnden Figuren verloren. Sie sind mir zu platt, haben sich nicht nachhaltig in mein Gedächtnis gegraben. Sie sind mir egal. Und Leute, die mir egal sind, interessieren mich nicht.

Genau das ist es. Anstatt seinen Protagonisten anhand von Handlungen Gestalt und Tiefe zu geben, die vor dem inneren Auge des Lesers lebendig werden, greift Fitzek zu platten, klischeehaften Beschreibungen. Und wenn es etwas gibt, das ich nicht mag, dann sind es platte, abgegriffene Klischees. Ich kann mich deshalb nicht so recht auf die Protagonisten einlassen. Sie wirken nicht echt. Wären die bisher gelesenen Kapitel Szenen in einem Film, ich hätte wahrscheinlich längst weitergezappt. Auch der Ort der Handlung, in diesem Fall das Kreuzfahrtschiff will sich mir nicht so recht erschließen. Atmosphärische Beschreibungen, die in mir das Bild der düsteren, verborgenen Räume des Schiffes vermitteln, in dem sich unfassbar Schreckliches zugetragen hat, suche ich vergebens.

Zum Vergleich: Davor las ich das Buch Mayday in dem Autor Nelson de Mille ein furchtbares Szenario entwirft: Ein Flugzeug, führerlos, versehentlich angeschossen von einer Rakete des US Militärs. Nicht nur das Militär hat Interesse daran, den Abschuss zu vertuschen und will das Flugzeug abstürzen lassen. Geschrieben hat es de Mille in den 80er Jahren. Ein atemberaubender Thriller der an Bord eines führerlosen Flugzeugs spielt. Nach dem Buch hat man dermaßen beklommene Gefühle was das Fliegen anbelangt. Als ich das Buch vor wenigen Wochen zu Ende las, konnte niemand ahnen, dass mit dem Germanwings Absturz ein ähnliches Szenario tatsächlich geschehen würde.

Warten auf Fitzek: Die Fans drängen sich vor die Bühne des Forum Autoren@Leipzig
Warten auf Fitzek: Die Fans drängen sich vor die Bühne des Forum Autoren@Leipzig

Dass Fitzeks Buch auf einem Schiff spielt, vergisst man irgendwann. Nicht nur die Figuren, auch der Handlungsort bleiben mir fremd. Das Buch zieht mich nicht in die Tiefe. Es säuft ab. Es liegt auf der Ablage. Nicht einmal zur Hälfte gelesen. Ich weiß auch nicht, ob ich es überhaupt zu Ende lesen möchte. Schade eigentlich, denn das Buch hörte sich vielversprechend an. Verdammt, Fitzek! Ich habe dich in Leipzig erlebt, im Gespräch mit Wolfgang Tischer auf der Bühne des Forum Autoren@Leizpig. Du bist ein cooler Typ. Witzig, wortgewandt, interessant. Danach wollte ich unbedingt dein Buch lesen. Und bin jetzt so enttäuscht.

Wortgewandt und witzig präsentierte sich Sebastian Fitzek im Gespräch mit Wolfgang Tischer bei der Buchmesse in Leipzig
Wortgewandt und witzig präsentierte sich Sebastian Fitzek im Gespräch mit Wolfgang Tischer bei der Buchmesse in Leipzig

Nachtrag: Nachdem ich diesen Beitrag geschrieben habe, entschloss ich mich dazu, den Roman zu Ende zu lesen. Ich musste mich bemühen, ihn fertig zu lesen. Leider ist es nicht besser geworden und ich war froh, als ich endlich die letzten Seiten  gelesen hatte. Lesevergnügen hat er mir nicht bereitet. Ich bin gespannt, was ihr für Eindrücke von diesem Roman habt.

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14 Gedanken zu „Abgesoffen! Warum mir Sebastian Fitzeks Psychothriller Passagier 23 die Lust am Lesen nimmt“

  1. Ob man sich durch Roman quälen soll?
    Allein dieser Satz aus der Amazon-Zusammenfassung hört sich wirklich schlimm klischeebeladen an….

    „Martin ist seither ein psychisches Wrack und betäubt sich mit Himmelfahrtskommandos als verdeckter Ermittler. „

  2. Heidewitzka! :-)
    Allein die Sprache hört sich wirklich sehr umgangssprachlich und amateurhaft an… oder so ein bisschen, wie in den (mit Verlaub) Boulevardmagazinen von RTL. Das ist fürs Mainstream-Fernsehen sicherlich ok, aber reicht das für Literatur? Ich habe jetzt nur den Anfang gelesen, die Gratis-Kostprobe. Nein, das ist nicht vielversprechend.
    Warum ist das bloß ein Bestseller geworden??

  3. Auch ich war interessiert daran, was ein deutscher Thriller Bestseller Autor wohl kann und habe mir letztes Jahr ein Hörbuch von ihm gegeben, das Joshua Profil. Habe es fast geschafft, aber auch nur, weil ich nicht selber lesen musste. Alles was du über Passagier 23 schreibst, trifft auch auf diesen Roman zu. Unfassbar billige Sprache, flache, klischeehafte Figuren welche einem völlig egal sind sowie diverse deus ex machinas.
    Das ist wirklich Literatur für RTL-Gucker.

  4. Ich habe 2 oder 3 Fitzek Romane gelesen und hatte JEDSMAL genau denselben Eindruck, den der Autor dieser Rezension widergibt:
    Der Klappentext klang spannend und sehr vielversprechend, durch die Seiten des Buches habe ich mich gequält.
    Jedes einzene Mal!

    Noch des öfteren habe ich in Buchhandlungen nach den Büchern von Fitzek gegriffen, mir den Klappentext durchgelesen, und es jedesmal mit wehmütigem Blick wieder auf den Stapel zurück gelegt.
    Die mehrmalige Enttäuschung hat mich eines Besseren belehrt und ich habe mich damit abgefunden, dass Sebastian Fitzek einfach nicht mein Autor ist.
    Kann den Hype leider auch gar nicht nachvollziehen.
    Gott sei Dank gibt es so viel mehr sehr gute Autoren, die es verstehen, mich in ihren Bann zu ziehen! :)

  5. Puh, da bin ich aber froh, dass ich mit meiner Meinung zu Fitzek doch nicht allein stehe. Ich habe mir gerade „Flugangst 7A“ als Hörbuch gegönnt. Selten so einen erschreckend unplausiblen Schrott gelesen. Vieles, was hier über Passagier 23 (kenne ich nicht) geschrieben wird trifft auch auf das Buch zu. Wobei mich noch eine Sache am meisten geärgert und regelrecht abgestoßen hat: Man merkt an allen Ecken und Kanten, wie das Oevre entstanden ist, nämlich so: Man suche sich lauter geile Schockersensationen zusammen (in Flugangst: Drohender Flugzeugansturz, Vergewaltigungsvideo mit 17jähriger, eine Schwangere mit HIV, die von einem militanten Veganer in einem Kuhstall (!!) festgehalten wird ..). Dann schustert man die mit einem hanebüchenen Plot zusammen. Und das merkt man wirklich an allen Ecken und Kanten. Ich habe es mit Müh und Not zu Ende gehört, ich wollte dann doch gern die Auflösung wissen, aber: Es hätten auch 5 andere Täter, 5 andere Auflösungen, die genau so plausibel gewesen wären. Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie sich so was verkauft.

  6. Nur weil Ihnen das Buch nicht gefällt, diejenigen herabzuwürdigen, die es mögen, ist sehr arrogant. Ich lese Fitzek gerne und finde seine Bücher super spannend. Sie unterhalten mich, was ja auch so sein soll. Deshalb bin ich noch lange keine Dumpfbacke, die den ganzen Tag Talkshows sieht. Nicht immer so überheblich sein. Das zeugt nicht gerade von viel Selbstwertgefühl. Oder was möchte man mit solchen Aussagen kompensieren?

  7. Mir ging es beim Lesen von“ Passagier 23″ genauso.
    Fitzek beschreibt die Personen nur oberflächlich, eine echte Spannung wird
    nicht aufgebaut.Schocksituationen,die
    zunächst Spannung suggerieren, dann aber verflachen,und vollkommen unlogisch enden.
    Und irgendwie gehen seine Bücher,konnte es nicht lassen,auch noch
    „Flugangst“als ebook zu lesen,immer irgendwie gut aus.Friede,Freude,Eierkuchen.
    Dachte erst,sei nicht so verbissen,wenn du dir ständig den Kopf mit Mann,Böll,Balcac,Camus,usw.zudröhnst,allenfalls zur Unterhaltung mal Stephen King,im Vergleich zu Fitzek ein stilistisches Genie,dann kann dir diese Art Literatur nicht gefallen.
    Mann,da sind ja meine Geschichtchen
    für die demenzbetroffenen Senioren
    in unserem Café Zeitlos noch spannender.(ein niederschwelliges Betreuungsangebot zur Entlastung von pflegenden Angehörigen)

  8. Habe das Buch schon vor einiger Zeit versucht zu lesen. Hat mich so gelangweilt das ich es schon nach einem Drittel der Seiten weggelegt habe und nicht zu Ende gelesen habe.

  9. Warum nehmen sich einige so wichtig. Ich lese gerne Anspruchsvolle Literatur und mag arthouse Filme. Aber ich mag auch gerne einfache Unterhaltung. Das Leben ist schon ernst genug. Als Kreuzfahrer fand ich das Buch vor allem das Hörspiel großartig. Die Charaktere sind comichaftig gezeichnet. Genau das gefällt mir.

    RTL finde ich schrecklich. Laut ihrer Meinung müsste ich ja rtl schauen. Wann hört endlich die pauschalisierung in diesem Land auf?????

    Es passt nicht jeder in eine Schublade und das ist auch gut so. Schon schlimm genug dass Parteien wie die afd dieses Schubladen denken vorantreiben.

    Ich verspreche ihnen ich werde nun nicht mehr Brecht lesen lösche arte von meiner Sendeliste und schaue nur noch rtl. Mit Sicherheit nicht. Frei nach Pippi langstrumpf ich mache mir die Welt wie sie mir gefällt. Wenn ich Fitzek lesen will lese ich Fitzek. Wenn ich ins Programm Kino gehen will, gehe ich dahin. Oper und Heavy Metal schließt sich bei mir so wenig aus wie Kreuzfahrt und Studienreise.

  10. Die Handlung könnte mit einem besseren Schreibstil durchaus lesenswert sein. Es klingt wie gewollt, aber nicht gekonnt. Platte Redewendungen auf Schülerzeitungs-Niveau, kein Vergleich mit Mankell oder Nesbo, um nur zwei gute Thriller-Macher zu nennen.

  11. Also mir haben bisher alle Bücher von Fitzek sehr gut gefallen. ich finde sie spannend und auch nicht flach erzählt. Aber das ist halt „Geschmackssache“, wie bei so vielen Dingen. Jeder kann seine Meinung schreiben und es sollte sich keiner daran stören.

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