Die Engel vom Waikite Valley

Auf unserer Reise haben wir bislang nur zwei Extreme kennengelernt: entweder es ist bruehwarm oder es schuettet tagelang wie aus Kuebeln (dabei sind wir noch immer auf der Nordinsel). Momentan sind wir am Lake Taupo und warten auf besseres Wetter. Wir moechten den Tongario Crossing machen (angeblich der schoenste Tageshike in NZ), der ueber 17 km zu einem Vulkan fuehrt.
Von Roturua aus kurbelten wir uns auf dem Highway 5 entlang des Thermal Explorer Highways, weil sich dort die ganzen Geothermalfelder befinden. Wir besichtigten Waimangu und Wai-O-Tapu. Dort brodelt und gurgelt, zischt und spritzt die Erde in ganz irren Farben: schwefelgelb oder giftgruen, signalorange oder schmodderbraun. Faszinierend zu erleben, wie lebendig der Boden unter einem doch ist. Axels Kommentar: wozu hier die Erde Zig-Tausend Jahre gebraucht hat, das bekommt die BASF innerhalb eines Tages auch fertig! Wir waren nach dem Besuch von Waiomangu so fertig (nicht nur wegen der Hitze, sondern auch wegen der vulkanischen Daempfe, die uns ziemlich heftige Kopfschmerzen bereiteten), so dass wir uns nach einem Campingplatz umschauten, um uns Wai-O-Tapu am naechsten Tag anzusehen. Gut, dass ein Campingplatz in der Naehe lag: Waikite Valley, nur grad so 6 Kilometer um die Ecke. Wir sind auf der Fahrt fast gestorben. Es war heiss, wir hatten Kofschmerzen und die Daempfe stroemen hier selbst aus Kuhweiden hoch! Unglaublich. Dann sahen wir ein Schild: es zeigte ein Auto, dessen Bug sich steil nach unten neigte. Was hatte das wohl zu bedeuten? Valley bedeutet ja Tal, aber auf das, was dann folgte, waren wir nicht vorbereitet. Ich fuehlte mich wie ein Pilot beim Anflug aufs Auenland. So steil ging es nach unten. Und so wunderschoen war das Tal, das vor uns lang. Und trotzdem bruellten wir „Scheisse“, denn wie sollten wir hier je wieder hochkommen? Unten lag der Campingplatz an einem kochenden! Fluss, es gab Hot Pools und alles war ziemlich heiss. Als wir am naechsten Morgen aus dem Zelt krochen fuehlten wir uns bereits wie in der Backroehre. Wir waren ko obwohl wir noch gar nichts gemacht hatten. Dann war es soweit: auf die Raeder und erster Versuch, aus dem Tal zu entkommen. Nach ca. 400 Metern war uns klar, dass wir am ehesten an Bord eines Krankenwagens hier rauskommen. Es war so heiss und wir bekamen kaum Luft und waren kurz vorm kollabieren. Ich betete, dass Gott uns Engel schickt, die uns hier rausholen. Axel, der ca. 80 Meter hinter mir war, betete zur gleichen Zeit, dass uns jemand mitnehmen soll. Ich hatte kaum mein Gebet ausgesprochen, blickte mich um und dachte ich seh ne Fata Morgana (was wegen der Hitze ja durchaus moeglich sein koennte). Da hielt doch voll ein Pick Up Truck an. Zwei Maenner sprangen raus, ruck zug war Axels bike verladen, das Gepaeck, dann sammelten sie mich auf – und ab gings 2 Kilometer bis wir aus dem Tag waren, dann wurde abgeladen und die beiden verschwanden so schnell wie sie aufgetaucht waren. Leute, ich sag euch, es gibt sie , die Engel. Auch in Form von zweier Kiwis!

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