Warum Sie im Urlaub Ihre Spiegelreflexkamera besser zu Hause lassen

und andere Tipps, wie Ihre Urlaubsfotos gelingen

Sommerzeit ist Urlaubszeit – und natürlich möchte man seine Erlebnisse mit der Kamera festhalten. Die Frage ist nur – mit welcher? Denn die beste Kamera ist die, die man immer zur Hand hat. Warum Sie lieber Ihre Spiegelreflexkamera nicht mit in den Urlaub nehmen sollten und welche Kamera die ideale für Urlaubsfotografie ist, erfahren Sie in meinem Bericht. Falls Sie dennoch im Urlaub nicht auf die Spiegelreflex verzichten wollen, lesen Sie trotzdem weiter – ich gebe Ihnen wertvolle Tipps aus meiner langjährigen Reiseerfahrung – z.B. warum Sie auf einen Kamerarucksack verzichten sollten und wie Sie Ihre Kamera vor Dieben schützen.

Im Urlaub möchte man möglichst unbeschwert reisen – zu viel Gepäck macht keine Freude. Auch die Fluggesellschaften beschränken die Mitnahme des Handgepäcks immer mehr. Wer eine Spiegelreflexkameraausrüstung mitnimmt, dazu evtl. noch ein zweites Objektiv, Blitz und einen Kamerarucksack, hat schnell das Limit erreicht. Belasten Sie sich nicht mit allzuviel Gepäck und überlegen Sie gut, ob Sie wirklich Stativ, Blitz und mehrere Objektive benötigen. Besser noch – Sie lassen die Fotoausrüstung zu Hause und nehmen nur eine kleine Kompakte mit.

Löwenzahn in der Abendsonne, aufgenommen mit der Canon G9
Löwenzahn in der Abendsonne, aufgenommen mit der Canon G9

Die besten Bilder entstehen im Augenblick. Ein genialer Sonnenuntergang mit Segelbooten am Meer, die Kinder, die am Strand eine Sandburg gebaut haben und sich stolz vor ihrem Werk präsentieren, der Hund, der im Wasser herumtollt. Wenn Sie nach einem stundenlangen Anstieg am Gipfelkreuz ankommen und erschöpft, aber lächelnd den Höhepunkt der Bergtour festhalten. Ein schönes Ambiente abends beim Abendessen im Restaurant oder eine Paddeltour auf einem Fluss oder See. Überlegen Sie, ob Sie in solchen Augenblicken Ihre Spiegelreflexkamera zur Hand haben, um diese Momente zu fotografieren.

GoPro Surfer-Selfie
Mit einer Spiegelreflex wäre diese Aufnahme nicht möglich gewesen

Wer eine Spiegelreflex dabeihat, muss gleichzeitig eine Tasche oder einen Rucksack mitnehmen, damit sie verstaut werden kann. Oder aber Sie laufen mit der baumelnden Kamera am Hals durch die Gegend. Macht keinen Spaß. Und weil das einfach lästig ist, ständig die Kamera mitzunehmen, bleibt sie im Hotel oder an einem anderen Ort, wo man sie nicht griffbereit hat. Und – nicht zu vergessen: Kameras sind bei Dieben sehr beliebt. Egal, ob sie im Auto, in der Tasche oder im Hotel bleibt, richtig sicher ist sie nicht. Hat man die Canon oder Nikon Spiegelreflex dabei (Nikon sind immer gut an den gelb-schwarzen Kameragurten zu erkennen, auf denen das jeweilige Modell aufgedruckt ist –  sieht der Dieb schon von weitem, dass es sich um eine hochwertige Kamera handelt), er muss nur den Aufdruck auf den Kameragurten lesen. Und als Besitzer einer solchen muss man sich ständig sorgen, dass sie in die Hände von Langfingern fallen könnte.

Die beste Kamera ist die, die man immer dabei hat

Vermutlich ist das Ihr Smartphone. Vermutlich werden Sie mehr Fotos (und Selfies) mit Ihrem Smartphone aufnehmen als mit der Spiegelreflex-Kamera, weil es die Kamera ist, die Sie schnell zur Hand haben, wenn ein Augenblick passiert. Nichts ist ärgerlicher, als wenn die Kamera erst mühsam aus dem Rucksack gepackt werden, Deckel abgenommen, eingeschaltet und dann noch irgendeine Einstellung vorgenommen werden muss. Bis die Kamera aufnahmebereit ist, ist der Augenblick längst Vergangenheit. Ich spreche aus Erfahrung. Bei meinem New York Urlaub blieb die Spiegelreflex im Hotelzimmer, fotografiert habe ich mit einer Lomo. Dabei ist das Foto der chinesischen Touristinnen entstanden, das von der taz veröffentlicht wurde.

Die ideale Urlaubskamera

Gibt es nicht. Punkt! Da können Ihnen Nikon, Canon, Pentax, Panasonic, Leica, Sony, Samsung und wie sie alle heißen, noch so viel versprechen. Bei einer Kamera kommt es in erster Linie darauf an, was Sie eigentlich fotografieren möchten. Fotografieren Sie überwiegend Landschaften oder Details, möchten Sie Actionfotos von Ihren Mountainbike-Touren oder Ihre Kinder beim Toben aufnehmen? Gehen Sie Schnorcheln oder Tauchen? All das beeinflusst die Wahl der Kamera. Und – wieviel Sie in eine Kamera investieren möchten. Viele kaufen sich eine Spiegelreflex, weil die Kameras sehr günstig geworden sind und man vermeintlich denkt, dass die „große“ Kamera bessere Fotos macht als eine kleine Kompaktkamera.

Eine Canon G 9 Kompaktkamera getarnt
Eine Canon G 9 Kompaktkamera getarnt

Viele Jahre begleitete mich die Canon G 9 Kompaktkamera. Klein, handlich, manuelle Einstellungen, leicht zu bedienen. Und die Qualität der Bilder war super. Viele Fotos, die ich mit dieser Kamera aufgenommen habe, sind in Zeitungen veröffentlicht worden, eines davon schaffte es auf die Titelseite. Leider wurden die Nachfolgermodelle immer größer und schwerer, deshalb habe ich mir keines der neueren Modelle gekauft, nachdem die Canon G 9 nicht mehr funktionierte und sich das Reparieren nicht lohnte.

Fit mit fitbit
Selbstportrait, fotografiert mit der Canon G9, das Foto erschien in mehreren Zeitungen

 

Eine sehr gute Kamera, klein, leicht, handlich mit super Bildqualität ist die Canon PowerShot S200 für knapp 200 Euro. Günstiger ist die Canon IXUS 170 die über HD Videofunktion verfügt und knapp 125 Euro kostet. Eine kleine, leichte Kamera, die man in die Hosentasche stecken kann und somit immer dabei hat.

Eine tolle Kamera mit HD Videofunktion ist die Sony RX100, ein etwas älteres Modell der RX Serie, die über ein lichtstarkes 28-100 mm Zoomobjektiv verfügt. Die Kamera kostet um die 345 Euro.

Eine Reisekamera mit der ich selbst liebäugle, ist die Panasonic LX100. Panasonic hat mit seinen Lumix-Modellen sehr gute Kompaktkameras im Programm. Die Lumix RX 100 verfügt über Full-HD, 4 K und ist mit einem lichtstarken Leica-Objektiv ausgestattet. Das hat alles seinen Preis und die Kamera ist deutlich größer und schwerer als z.B. der Winzling Sony RX 100. Die Kamera kostet um die 625 Euro und richtet sich an ambitionierte Fotografen, die gerne manuelle Einstellungen vornehmen. Deutlich teurer ist mit knapp 1.000 Euro das Spitzenmodell der Sony RX-Serie, die Sony DSC-RX100 IV, eine Kamera, die wirklich keine Wünsche mehr offen lässt, aber aufgrund des Preises schon nicht für jeden in Frage kommt.

Der Markt an Kompaktkameras ist groß und entsprechend schwer ist es, die richtige Kamera zu finden. Wer sich eine Kompaktkamera zulegen möchte, sollte sich in erster Linie die Frage stellen, welche Motive am meisten fotografiert werden. Brauche ich ein großes Zoom oder ist mir ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv lieber? Muss es eine Kamera sein, die 4K Video filmt oder reicht Full HD? Fotografiere ich häufig mit manuellen Einstellungen oder nutze ich nur die Programmautomatik? So kann man Stück für Stück die Fragen klären und findet seine Kamera, die am besten zu den eigenen Vorlieben passt.

Ich will meine Spiegelreflex mit in den Urlaub nehmen

Als Fotojournalistin reise ich beruflich viel mit meinen Kameras. Vor jeder Reise tarne ich meine Kameras und Objektive, so dass man nicht gleich auf den ersten Blick erkennen kann, um welche Kamera es sich handelt. Dazu nehme ich schwarzes Tape und klebe die Markennamen ab.

Fuji X-Pro 1
Die Fuji hat von Haus aus keinen Markenaufdruck auf der Vorderseite der Kamera

Außerdem benutze ich einen neutralen Kameragurt, auf dem kein Kameramarkenname zu lesen ist. Gute Kameragurte gibt es z.B. von Sun-Sniper.
Ich nutze einen Neoprengurt von OP/Tech Pro Strap für meine Spiegelreflexkameras. Meine Fuji X-Pro 1 ist mit einem DOMKE Kameragurt ausgestattet.
Für Urlaub und Reise genügt ein Zoomobjektiv. So müssen Sie nicht ständig Objektive wechseln und schützen die Kamera vor Staub, der sich bei jedem Objektivwechsel auf den Sensor legt. Mehr zum Thema Fotorucksäcke im nächsten Abschnitt.

Fotorucksack oder Kameratasche?

Klar, ein Fotorucksack schützt Ihre wertvolle Ausrüstung am besten. Fotorucksäcke waren meine erste Wahl, wenn es um den Transport meiner Fotoausrüstung ging. Inzwischen bin ich völlig von Fotorucksäcken abgekommen. Sie sind mir zu schwer und für meine Zwecke ungeeignet. Da ich sehr häufig in der Natur unterwegs bin, brauche ich einen guten Rucksack, der neben meiner Kameraausrüstung auch Regenkleidung, Getränke, Wechselkleidung, Sonnenbrille, Taschenlampe etc. aufnehmen kann. Der Deuter FUTURA 28 leistete mir gute Dienste, war mir jedoch aufgrund des Tragesystems – das genial für Wanderungen ist – bei der Mitnahme als Handgepäck in der Flugzeugkabine zu sperrig. Für meine Antarktis-Schiffsexpedition packte ich meine gesamte Fotoausrüstung in den TomBihn Synapse 25.

Ideal als Fotorucksack - TomBihn Synapse 25
Ideal als Fotorucksack – TomBihn Synapse 25

Der TomBihn Synapse 25 hat den Vorteil, dass er über kein steifes Tragegestell am Rücken verfügt, wie beim Deuter Futura 28. Außerdem sind die vielen Seitentaschen derart intelligent ausgelegt, dass man neben der Fotoausrüstung noch Unmengen an anderen Sachen unterbringen kann. Der Synapse 25 ist aus Cordura-Material genäht und ich glaube es braucht mehr als ein Leben, bis der Rucksack Materialermüdung erleidet. Wenn ich meine Kameras im Rucksack transportiere schütze ich sie mit einer speziell gepolstern Folie. Es gibt unterschiedliche Folien und Schutzhüllen. Ich habe mit der X-Wrap gute Erfahrungen gemacht. (Folie je nach Größe der Kamera bestellen). Meine Objektive wickle ich ebenfalls in ein X-Wrap oder in die Objektivhüllen, in denen sie geliefert werden. So spare ich jede Menge Platz im Rucksack für andere wichtige Ausrüstungsgegenstände und Kleidung. Wer einen Kamerarucksack mit sich trägt, signalisiert jedem, dass sich darin eine Kameraausrüstung befindet, während sie in einem Wanderrucksack gut getarnt ist.

Mit dem TomBihn Synapse 25 unterwegs in der Antarktis
Mit dem TomBihn Synapse 25 unterwegs in der Antarktis

Der TomBihn Synapse 25  ist der beste Rucksack, den ich je auf Reisen dabei hatte. Warum verrate ich in meinem nächsten Blogpost.

Fototaschen zum Umhängen nutze ich nur, wenn ich beruflich unterwegs bin. Privat auf Reisen ziehe ich auf jeden Fall einen Rucksack vor, da ich damit viele verschiedene Dinge transportieren kann und ein Rucksack bequemer zu tragen ist, wenn ich wandere oder Rad fahre.

Urlaubsfotos sind wichtige Erinnerungen. Doch wer zuviel an Fotoausrüstung mitschleppt, läuft Gefahr, am Ende die Kamera nicht dabeizuhaben, weil sie einfach zu lästig und schwer ist. Die heutigen Kompaktkameras sind so gut, dass Sie keinesfalls auf Schnappschüsse verzichten müssen. Nehmen Sie eine kleine kompakte Kamera mit, die in die Hosentasche passt. So haben Sie immer eine Kamera dabei und sind bereit, einmalige Augenblicke festzuhalten. Denn nichts ist schlimmer als eine Kamera, die man nicht dabei hat, wenn der eine geniale Augenblick entsteht, den man fotografieren möchte.

Bildschirmfoto 2014-12-29 um 18.59.38

Tipps wie man mit jeder Kamera zu besseren Bildern kommt, gebe ich in diesem kleinen Impulsheft Fotografieren: Impulse, gute Bilder zu machen, das es als ebook oder gedruckte Version gibt.

6 Gedanken zu „Warum Sie im Urlaub Ihre Spiegelreflexkamera besser zu Hause lassen“

  1. Ein sehr interessanter Artikel! Es ist in der Tat immer situationsabhängig, genau wie gute Fotos nicht immer von der Kamera selbst abhängen *g*

    Danke dafür :)

  2. Vielen Dank für den spannenden Artikel und die Einblicke, die du darin gibst. Nicht mit allem gehe ich zu 100% konform, aber bei vielem stimme ich dir zu.
    Ich selbst habe meine DSLR immer dabei und möchte sie nicht missen. Keine Kompaktkamera der Welt könnte sie für mich ersetzen – denn mir macht das Spielen mit den Einstellungen und der Schärfe einfach Spaß. Auf Reisen hab ich sie meist im Rucksack, bei Ausflügen und Kurztrips reicht auch schon mal die Tragetasche.
    Und ja, ein Zoomobjektiv reicht meist völlig aus – je nach Reiseziel natürlich.
    Dass man die Marke der Kamera abklebt, um die Kamera zu tarnen – auf die Idee bin ich ehrlich gesagt noch nicht gekommen. Glaube aber auch nicht, dass das wirklich nötig ist. Eine DSLR gehört ja heute schon bei jedem 2. Touristen quasi zur Standardausrüstung – ist also, denke ich, nichts Besonderes mehr. Und zur Not gibt’s im Falle eines Diebstahls ja auch Versicherungen. Viel wichtiger finde ich, ist es, die gemachten Aufnahmen zu schützen und möglichst auch schon unterwegs doppelt zu sichern. Eine Kamera ist ersetzbar, der Verlust von Fotos würde für mich viel schwerer wiegen.
    Den Tipp mit dem neutralen Gurt finde ich übrigens super. Den werde ich direkt auch umsetzen.
    Ansonsten stimme ich dir aber vor allem in einem Punkt hundertprozentig zu – es kommt nicht auf die Kamera an, sondern auf das Auge dahinter. Und lieber mit einem Smartphone geknippst, als gar nicht!! Denn es ist der Augenblick, der wirklich zählt! ;-)

    Lieben Gruß, Michael

  3. Hallo Michael,
    danke für deinen Kommentar. Es gibt viele Länder mit großer Armut, dort ist eine Spiegelreflexkamera immer noch begehrtes Diebesgut. Von Versicherungen halte ich nichts, die helfen nicht, wenn man irgendwo auf der Welt unterwegs ist und die Kamera ist plötzlich weg. Für mich sind kleine leichte Kameres wichtig, deshalb arbeite ich sehr gerne mit Kompaktkameras, die über einen manuellen Modus verfügen. Ein großer Vorteil meiner Canon G9 war übrigens die Möglichkeit, bei einer Verschlusszeit von bis zu 1/4000 entfesselt zu blitzen.
    Zur Datensicherung: Auch hier kommt es darauf an. Zum Sichern muss man weitere Geräte mitnehmen, also noch mehr Material auf das man aufpassen muss. Weil Speicherkarten heute sehr günstig sind, nehme ich genügend Karten mit. Fast so wie früher, als ich noch mit Filmrollen im Gepäck gereist bin.

  4. Hi Michael,
    das ist ein wichtiges Thema, welches du in deinem Artikel ansprichst. Ich habe auch gerne ein mummliges Gefühl, wenn ich mein Kameraequipment mit auf Reisen nehme. Jedoch hatte ich noch nie Erfahrungen mit Diebstahl oder desgleichen und hoffe, dass das auch in Zukunft so bleiben wird.
    Mfg Chriss

  5. Ich finde deinen Artikel schön zu lesen, kann dir aber nur bedingt zustimmen.

    Ja der Schutz der Kamera vor Diebstahl und anderen Dingen ist mir sehr wichtig, aber noch wichtiger ist es die Kamera auch zu benutzen. Klar, hab ich für Städtetripps eine kleine G7X-II im Reisegepäck.

    Aber sind wir mal ehrlich, wozu habe ich eine große teure Fotoausrüstung für sagenhafte Bildqualität, wenn wir diese dann nicht gezielt da einsetze (z. B. Urlaub in der Karibik, Reise durch die Staaten,…). Ich möchte meine Freundin am weißen Sandstrand gerne freigestellt so fotografieren, dass sie das nächste Kalenderbabe sein könnte und nicht wie ein Touri den Begriff Bokeh mit der Duftnote des Weins in Verbindung bringen.

    Man muss halt abwiegen, was man im Urlaub fotografieren will. Wenn ich vorher schon weiß, es geht zum Grand Canyon, dann weiß ich auch, dass ich das Ultraweitwinkel definitiv dort nutzen will. Wenns eine „Sauftour“ durch Dublin wird, dann tut’s die G7X schon ;-)

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