Testbericht Wanderschuhe Keen Westward

„Spaß am Abenteuer“ lautet die Inspiration für den Keen Westward Mid Leather WP Wanderschuh. Optisch ist der Keen Westward ein Hingucker, doch wie bewährt er sich auf den Trails und im Alltag? Ich habe den Schuh auf Herz und Nieren getestet. Mehr dazu in meinem ausführlichen Testbericht.

Der Spaß am Wandern und anderen Outdooraktivitäten fängt an den Füßen an. Denn wenn der Schuh drückt oder reibt, wird aus der Tour schnell eine Tortour. Bei Wanderschuhen bin ich Minimalist. Leicht, funktionell und universell einsetzbar muss er sein. Auf Reisen, im Alltag und natürlich beim Wandern. Erfüllt der Keen Westward diese Anforderungen?

Den Schuh gibt in Canvas-Synthetik oder in Nubukleder-Ausführung mit wasserdichter und atmungsaktiver Membrame. Die Firma Keen stellte mir auf Anfrage den Westward Mid in der Nubukausführung für meinen Test zur Verfügung.

Der Keen Westward in Nubuk Leder (Shitake) mit Schnürsenkeln und Innenfutter in Venice Blue

Der Retro-Look gefällt

Bei Wanderschuhen geht es in erster Linie um die Funktion, nicht ums Aussehen. Aber irgendwie schon auch. Der Westward hebt sich erfrischend von der Masse der Wanderschuhe ab. Die Ösen geben dem Schuh den gewissen Retro-Look und die türkisfarbenen Schnürsenkel den farblichen Kick. Wem die Farbe zu auffällig ist: Keen legt dem Westward (in Farbe Shitake) braune Schnürsenkel bei – eine wirklich feine Sache!

Reinschlupfen und Wohlfühlen

Wie genial ist das – der Schuh passt wie angegossen! Nicht zu groß, nicht zu klein. Nichts drückt oder ist beengend. Ein Schuh wie für meine – etwas breiteren Füße – gemacht.
„Ein formgepresstes EVA-Fußbett mit Gewölbeunterstützung verspricht schon beim Einstieg ein sofortiges Wohlgefühl, das den ganzen Tag über anhält“, so steht es in der Pressemeldung des Westward. Was ist ein EVA-Fußbett mit Gewölbeunterstützung? Egal, meine Füße sind Happy, der Schuh sitzt unglaublich bequem.

Macht sich gut als Allrounder in leichtem Gelände und auf Asphalt

Der Schaft, der etwas über den Knöchel geht, hat genau die richtige Höhe für meinen Geschmack. Er ist weich gepolstert – nichts reibt oder drückt. An der Fußspitze ist genügend Platz, die Zehen sind nicht eingeengt und können gut greifen. Denn nichts ist schlimmer als ein Schuh, der die Zehen zusammendrückt!

Guter Auftritt im Herbst und Frühjahr

Auffällig ist, dass der Keen Westward eine durchgängige, ebene Sohle hat – im Gegensatz zu anderen Wanderschuhen, die an der Ferse über einen kleinen Absatz verfügen. Also eher eine „Sneaker-Sohle“ für bequemes Gehen in urbanem Gelände. Ein Blick auf das Profil stellt allerdings klar, dass es sich hierbei um einen Schuh handelt, der sich in erster Linie auf Trails und ungepflasterten Wegen bewegen will. Also ein Wanderschuh, den man nicht unbedingt ausziehen muss, wenn abends nach der Tour eingekehrt wird oder mit öffentlichem Nahverkehr oder Auto eine längere Strecke nach Hause fahren muss.

Hinweis zu meinen Testberichten
Auf meiner Website stelle ich hin und wieder Produkte vor, die ich auf Reisen, bei der Arbeit und in der Freizeit einsetze. Für das Verfassen der Erfahrungsberichte erhalte ich kein Honorar vom Hersteller, noch nimmt dieser Einfluss auf den Inhalt. Sollte ich für einen Test Muster erhalten haben, wird dies ausdrücklich erwähnt.

Erstaunlicher Grip

Auf vielen Kilometern in unterschiedlichster Witterung und Untergrund (nasses Gras, Schotter, Waldwege, Schnee, Regen, Trails, Asphalt) hat mich der Westward bestens durch den Tag getragen. Der Schuh schmiegte sich bequem, angenehm und leicht an den Fuß. Kein – „Ich will so schnell wie möglich raus aus den Schuhen“ wie ich es in der Vergangenheit bei anderen Schuhen oft erlebte.

Das Profil sorgt für guten Grip – auch abseits befestigter Wege

Die Sohle besitzt einen erstaunlich guten Grip, der sich sogar im Schnee bewährte. Dank des Profils hatte ich genügend Grip und Sicherheit für ein festes, rutschfreies Auftreten. Selbst beim Kälteeinbruch mit minus 15 Grad im Schwarzwald hatte ich (mit Merinowollsocken) keine kalten Füße!

Warme Füße – selbst bei frostigen minus 15 Grad!

Bei langen Spaziergängen mit Hund im Regen und durch nasses Gras blieben die Füße trocken. Und meine Bedenken, ob sich der Schuh wegen der durchgehenden Sohle auf unebenen Trails eignet, konnte ich beiseite legen. Allerdings würde ich ihn nicht für anspruchsvolles Terrain oder gar alpines Gelände empfehlen. Auch nicht als Trekking-Wanderschuh für mehrtägige Touren mit schwerem Gepäck. Dafür macht er sich auf befestigten Wald- und Wanderwegen sehr gut und kann auch locker über längere Zeit auf Asphalt getragen werden.

Fazit

Der Westward ist ein prima Allrounder, bei dem es auch mal etwas ruppiger zur Sache gehen darf. Die Keen-typische Zehenbox sorgt für stoßsicheren Schutz. Das Nubukleder zeigt nach einiger Zeit Abnutzungen, gibt dem Schuh jedoch einen Used Look, der sehr gut zum Retro-Stil passt. Der Schuh passt prima zu Wanderklamotten oder Jeans ohne zu sehr nach Trekking-Schuh auszusehen. Dank des halbhohen Schafts sitzt er mehr wie ein Sneaker denn wie ein Wanderschuh.

Gibt es also tatsächlich nichts zu meckern oder zu bemängeln? Eigentlich nicht. Doch. Da gibt es was. So gerne ich den Schuh trage, er wird den Sommer über wohl im Regal bleiben. Der Schuh ist gut gepolstert. Das ist klasse, weil bequem – und warm! Allerdings weniger gut, wenn die Temperaturen steigen. Dann dürfte es heiß und schwitzig werden im Westward. Denn leider ist das Innenfutter aus Synthetik – und das kann ich absolut nicht abhaben!
Deshalb empfehle ich ihn nur für Frühjahr, Herbst und Winter und die Übergangszeiten. Für alle, die es wie ich, gerne luftig mögen: Keen hat eine große Auswahl an Sandalen im Programm.

Der Keen Westward Mid Leather im Überblick

  • Abriebfeste Gummi-Laufsohle
  • Formgepresste EVA-Zwischensohle
  •  herausnehmbares, metatomisches EVA Fußbett, dass sich an den Fuß anpasst
  • Stabilisierungsplatte
  • Wasserdichte, atmungsaktive KEEN.DRY® Membran
  • Wasserfestes Nubuk-Oberleder
  • Gewicht per Schuh (ca.-Angabe): 15.96 oz/ 452.4 g
  • Gummi: Abriebfeste Gummi-Außensohle

UVP: 149,95 Euro

Besonderheit European Made

European Made ist eben doch nicht “Made in Europe”

Der Keen Westward wird in Europa (Rumänien) gefertigt. Wobei zu bemerken ist, dass nicht die komplette Schuhherstellung in Europa erfolgt. Insofern ist das Label „European made“ mit dem der Westward ausgeliefert wird, missverständlich.

Auf der Webseite betont Keen, dass die Komponenten der Endprodukte nicht vollständig in Europa hergestellt werden. „Wir nutzen unsere bestehenden Ressourcen, um uns darauf zu konzentrieren, die innovativsten Produkte mit der uns höchstmöglichen Qualität zu liefern.“ Will heißen, dass die anderen Komponenten woanders hergestellt werden.

Keen schreibt weiter dazu: „Wir beziehen die besten Materialien aus aller Welt und vollziehen den letzten und entscheidenen Schritt der Fertigung hier vor Ort in Europa.“

Was letztendlich in Rumänien gemacht wird, erfährt der Kunde leider nicht.

Weitere Informationen zu Keen Footwear 

Informationen zur Produktion “European Made”

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