Wilde Wege: Heissbachschlucht Kleines Wiesental

Nicht mehr lange und bald starten die ersten Orte mit ihren Wanderopenings. Doch statt Premium- und Qualitätswanderwegen, Genießerpfaden und Routen, die auf „Steig“ enden und mit Himmelsliegen zugepflastert sind, mache ich mich auf die Suche nach „Wilden Wegen“: naturbelassene Wanderwege mit einfacher Beschilderung, abseits gelegen und wenig bekannt, bei denen nicht die Beschaffenheit des Weges und deren Punktezahl, sondern einzig und alleine die Natur im Mittelpunkt steht. Als erster „Wilder Weg“ stelle ich die Heissbachschlucht im Kleinen Wiesental vor.

Das Kleine Wiesental ist der Zusammenschluß der Gemeinden Bürchau, Elbenschwand, Neuenweg, Raich, Sallneck, Tgernau, Wies und Wieslet (Kreis Lörrach). Für mich ist dieses Tal eines der schönsten und stillsten im südlichen Schwarzwald. Der Name stammt von dem Fluss „Kleine Wiese“. In Tegernau fließen die Bergbäche der Köhlgartenwiese, deren Quelle am Köhlgarten entspringt und der Belchenwiese, die am Belchenmassiv entspringt, zur Kleinen Wiese“ zusammen.

Versteckt, verwunschen, verwildert: So geht Wandern in der Heissbachschlucht

Unsere Wanderung zur Heissbachschlucht starten wir im Bergdorf Sallneck auf 611 Metern Höhe beim Gasthaus Hirschen. Während am Hirschen an diesem Sonntagnachmmittag reger Betrieb herrscht, sämtliche Parkplätze mit Autos belegt und sogar ein Reisebus vor dem Gasthaus parkt, verliert sich das Treiben nach nur wenigen Metern. Wir genießen die Stille und wunderbare Aussichten auf Weiden und Wälder. Vom Wanderschild beim Hirschen folgen wir der Markierung der Gelben Raute Richtung Heissbachschlucht. Nur wenige Minuten später führt uns der Wanderweg hinab in ein Waldstück. Mit Moos bewachsene Felsen, Steine und Bäume umgeben uns. Einige Meter tiefer rauscht der Wildbach der Köhlgartenwiese. Immer wieder streichen wir mit unseren Händen über das weiche Moos, das die Baumstämme wie einen schützenden Mantel umgibt.

Mit Barfuss-Schuhen erlebe ich den Wald intensiver

Im Sommer bin ich fast ausschließlich in meinen Luna Sandalen unterwegs, für die Wanderung in der Heissbachschlucht wählte ich meine Vibram Five Fingers. Die Schuhe sind eine Lachplatte und jedes Mal ernte ich seltsame Blicke, doch das Wandern mit den Five Fingers ist einfach genial! Die Sohle ist speziell für Trails ausgelegt, sie gibt mir sehr guten Grip während ich gleichzeitig den Boden spüre. Meine Fußmuskulatur muss viel stärker arbeiten und deshalb bin ich nach einigen Jahren wandern und laufen in unterschiedlichen Barfuss-Schuhen sicherer und leichter unterwegs als mit Wanderschuhen.

Der Pfad führt am Ufer eines kleinen Weihers entlang

Wasser, Felsen, Bäume, Moos

Natur pur. Der Waldweg geht in einen Pfad über, der uns entlang am Ufer eines kleinen Weihers führt. Ich spüre die Kühle des feuchten Waldbodens durch die Sohle meiner Five-Finger Schuhe. Es ist ein angenehmes Gefühl. Ich gehe bewusster, langsamer, intensiver als mit festen Wanderschuhen. Und dass meine Füße wie hier beim Überqueren dieses kleinen Wasserlaufs nass werden, empfinde ich überhaupt nicht als unangenehm. Im Gegenteil. Es erfrischt und aktiviert nicht nur die Füße, sondern den gesamten Organismus.

Wasser marsch! Es gurgelt, rauscht und plätschert
Cooler Tipp für heiße Tage – Schluchtenwandern im Schwarzwald

Wir wandern weiter, kommen aus dem Wald heraus und spazieren am Ufer der Köhlgartenwiese, die mit archaischer Kraft zu Tale rauscht. 

Der Eingang zur Heissbachschlucht

Wir überqueren die Teerstraße, die nach Sallneck führt und gelangen zum Eingang der Heissbachschlucht. Der Weg ist weiterhin mit der gelben Raute markiert. Kurz darauf hören wir ein heftiges Gebelle. Wir kommen an einem Anwesen vorbei auf dem sich zwei große Hunde befinden. Das Gelände ist eingezäunt und außer aggresivem Bellen und Zähne fletschten können uns die beiden Kläffer nichts anhaben.

Auf felsigen Pfaden geht es in den Schluchtendschungel

Nun steigen wir in die eigentliche Schlucht ein und nach wenigen Metern fühlen wir uns in einer wilden, verwunschenen Welt. Natur pur ohne Himmelsliegen, nur einmal dient ein Baumstamm als Sitzgelegenheit. So soll es bleiben!

Wunderbare verwunschene Schluchtenwelt

Soviel Grün! Eine Wohltat für die Seele. Tannenbäume, Fichten, Moose. Überall liegen Baumstämme quer, als hätte ein Riese Mikado gespielt. Hier bahnt sich die Natur ihren ganz eigenen Weg.

Als hätte ein Riese Mikado gespielt

Der Pfad wird anspruchsvoller, wir gehen über Steine, Steige und Brücken, dann geht es steil auf einer Felsentreppe bergauf.

Der spektakulärste Abschnitt der Heissbachschlucht

Wir kommen uns vor wie in einem Dschungel. Üppig mit Moosen und Flechten bewachsene Baumstämme, vermooste Felsen und Steine geben der kleinen Schlucht einen verwunschenen Charakter. Immer wieder halten wir an, schauen und staunen über die wilden Kräfte der Natur.

Hier spielt die Natur die Hauptrolle
Grün in allen Facetten

Die Wanderung auf dem ca. 700 Meter  langen Pfad durch die Heissbachschlucht ist recht kurz. Wir nehmen uns viel Zeit, um jeden Abschnitt mit allen Sinnen zu erfassen. Ich staune über das viele Grün in allen Facetten und Formen.

Herrlicher Blick auf Sallneck

Der Pfad führt uns nun aus der Schlucht heraus auf eine Weidefläche oberhalb Sallnecks. Hier befindet sich ein großer Baumstamm der als Ruhebank dient. Ich finde das genial und hoffe, dass der Baumstamm nie einer Himmelsliege weichen muss! Wer mag kann noch eineinhalb Kilometer weiter zur Bücklebodenhütte wandern und dort grillen.

Blick auf die beiden Gipfel des Köhlgarten

Wir gehen auf dem Forstweg weiter Richtung Sallneck, rasten unterwegs auf Baumstämmen, genießen die warme Märzsonne und gelangen wieder zurück nach Sallneck.

Informationen

Start/Ziel: Sallneck Wanderschild beim Gasthaus Hirschen
Strecke ca. 4,5 Kilometer
Höhenmeter ca. 220 Meter
Schwierigkeit: Der Abschnitt in der Heissbachschlucht erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit
Weitere Informationen zum Kleinen Wiesental
Einkehrtipp: Das Café Rosenstübchen in Neuenweg. Infos dazu findet ihr auf der Webseite vom Schwarzwald-Podcast.

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