Sternschnuppen-Fotografie: So gelingen die besten Fotos

„Und es regnete Sterne“ titelt die Zeit online in ihrer Rubrik „Wissen“. Und tatsächlich: Das Foto, mit dem der Artikel illustriert wird, zeigt einen Baum, dahinter einen Sternenhimmel von dem tatsächlich die Sterne „regnen“. Allerdings handelt es sich dabei um einen Mythos, den alle Zeitungen gerne verbreiten, wenn im Herbst der Sternschnuppenstrom der Perseiden zu sehen ist.

Auf dem Foto sind nämlich keine Sternschnuppen zu sehen. Vielmehr handelt es sich um eine Langzeitbelichtung der Kamera, bei der die Sterne, bedingt durch die Erdumdrehung, nicht mehr als Punkte, sondern als Striche zu sehen sind.
Durch Artikel wie den in Zeit online und den Überschriften, die von einem Sternenregen sprechen, werden die Erwartungen sehr hoch geschraubt. Als Beobachter erwartet man förmlich ein Sternenfeuerwerk am Nachthimmel. Dem ist aber nicht so.

Dieser Stern ist nicht vom Himmel gefallen
Dieser Stern ist nicht vom Himmel gefallen

Die Bedingungen in der Nacht zum 13. August 2015 waren optimal. Ein nahezu wolkenloser Himmel und Neumond bei uns im südlichen Schwarzwald. Die erste Schnuppe, die ich sah, fegte über den Nachthimmel als ich kurz vor 23 Uhr meine Fotoausrüstung zusammenpackte. Meine Nikon D 700, ein Nikkor 24 mm, 2.8 Objektiv und mein Gitzo-Stativ. Außerdem ein Auslösekabel und – ganz wichtig – meine Taschenlampe, die ich mit einer roten Folie versehen habe. Weißes Licht stört nämlich beim nächtlichen Shooting und die Augen brauchen sehr lange, bis sie sich wieder an die Dunkelheit gewöhnt haben.

Als ich meinen Standort erreicht hatte und die Kamera aufgebaut war, fielen weitere Sternschnuppen. Allerdings nicht in dem Bereich, in den ich meine Kamera gerichtet hatte.

Warten auf die Schnuppen - Fotografen brauchen vor allem Geduld
Warten auf die Schnuppen – Fotografen brauchen vor allem Geduld

Um Sternschnuppen zu fotografieren braucht man vor allem Geduld. Und nicht jede Sternschnuppe, die das menschliche Auge sieht, ist später auf dem belichteten Chip zu sehen. Nur die hellsten Meteore erscheinen tatsächlich als Leuchtspur auf dem Foto. Ich habe in der Nacht sehr viele Leuchtspuren gesehen, aber nur ganz wenige tatsächlich mit der Kamera einfangen können.

Auf diesem Bild ist es mir gelungen, gleich drei Sternschnuppen "einzufangen"
Auf diesem Bild ist es mir gelungen, gleich drei Sternschnuppen „einzufangen“

Am schwierigsten finde ich bei der Sternenfotografie die Fokussierung. Dazu muss die Kamera auf Manuell gestellt werden, denn der Autofokus kommt in der Dunkelheit nicht zurecht. Dazu stellt man den Fokus manuell am Objektiv auf die Unendlich-Markierung (zu erkennen an der liegenden 8). Achtung: Meistens ist diese Markierung nicht die echte Unendlich-Einstellung, sondern liegt etwas davor oder dahinter). Deshalb unbedingt Testaufnahmen machen und die Sterne auf dem Display heranzoomen und prüfen, ob sie tatsächlich als Punkte scharf erscheinen. Wichtig ist, einen markanten Vordergrund zu finden, der den Bildern eine gewisse Tiefe und Rahmen verleiht. Das kann ein Gebäude sein oder ein Baum. Ein Stativ ist Pflicht, denn die Belichtungen für Sternenfotografie liegen so um die 30 Sekunden. Natürlich muss es dunkel sein, denn alles Umgebungslicht trübt nicht nur den Blick in den Himmel wegen der Lichtverschmutzung, sondern stört bei der Belichtung.

Sternschnuppe über der Andromeda Galaxie (erkennbar am nebligen Fleck)
Sternschnuppe über der Andromeda Galaxie (erkennbar am nebligen Fleck)

Die wichtigsten Tipps für Sternschnuppen-Fotografie

  • Kamera mit Stativ und Auslösekabel
  • lichtstarkes Weitwinkel-Objektiv
  • Kamera auf Manuell
  • Objektiv auf Unendlich-Symbol einstellen
  • größtmögliche Blende einstellen (auf meinem 24er sind das 2.8)
  • Taschenlampe – mit roter Folie abgeklebt
  • Testaufnahmen und Fokus checken
  • ISO auf 800, maximal 1600
  • Belichtungszeit ca. 30 Sekunden
  • viel fotografieren
  • Geduld haben
  • Staunen
Aufnahme vor Mitternacht als die Straßenlaterne noch leuchtete
Aufnahme vor Mitternacht als die Straßenlaterne noch leuchtete

Gerade der letzte Punkt ist wichtig! Manchmal bin ich so sehr mit der Technik beschäftigt, dass ich mir keine Zeit nehme, einfach in den Himmel zu blicken und zu stauen über das, was ich über mir  beobachten kann. Denn einen Sternenhimmel zu sehen, ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Menschen, die in Städten leben, sehen kaum noch Sterne. Ganz gut beschreibt dieses Gefühl, keine Sternschuppen zu sehen, Julia Friese in ihrem Bericht über die Sternschnuppennacht in Berlin. Professor Dr. Hartmut Rosa spricht sogar davon, dass wir die Fähigkeit zur Dunkelanpassung verlernen, weil es Nachts nicht mehr richtig Dunkel wird.

Die Aufnahmen sind alle mit der D 700 und einem 24 mm 2.8 Objektiv bei ISO zwischen 800 und 1600 aufgenommen. Die Bilder wurden in Lightroom nachträglich bearbeitet.

Keine Sternschnuppe, sondern ein Satellit, der über den Himmel läuft
Keine Sternschnuppe, sondern ein Satellit, der über den Himmel läuft

Am nächsten Morgen erhielt ich eine E Mail von einem Kollegen, der ebenfalls Sternschnuppen fotografierte. Er wunderte sich, weil seine Sternschnuppe „unterbrochen“ war, also keine durchgehende Leuchtspur aufzeigte. Ich musste ihn enttäuschen, denn statt einer Sternschnuppe hatte er ein Flugzeug fotografiert. Auch ich bin übrigens einer solchen Täuschung erlegen: Auf dem Foto oben ist nämlich keine Sternschnuppe zu sehen, sondern eine Satellitenspur. Da Satelliten kein eigenes Licht ausstrahlen, sondern von der Sonne angestrahlt werden, sind sie nicht durchgehend zu sehen. Sobald sie in den Erdschatten eintreten und das Sonnenlicht sie nicht mehr erreicht, verblassen sie.

Mein Fotografen-Kollege Achim Schaller hat ein geniales Programm entwickelt, mit dem man Star-Trails-Aufnahmen aus rund 200 bis 300 Einzelaufnahmen zu einem Bild zusammenfassen kann.

Star-Trails Aufnahme von Achim Schaller
Star-Trails Aufnahme von Achim Schaller
Star-Trails Aufnahme von Achim Schaller
Star-Trails Aufnahme mit Sternschnuppe von Achim Schaller

Auf seiner Website gibt es fantastische Aufnahmen von Galaxien und Nebeln des Astrofotografen zu entdecken. Eine geniale Aufnahme des Kometen Lovejoy ist hier zu sehen.

Der nächste Sternschnuppenstrom ist um den 13. Dezember zu sehen. Dann kommen die Geminiden, der als stärkster Sternschnuppenstrom des Jahres zählt. Bis dahin also fleißig üben, damit es mit dem Fotografieren der Sternschnuppen klappt.

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